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MS-Süd

12 Uhr: Der Nachtisch ist das i-Tüpfelchen

Markus Lütkemeyer

Münster-Wolbeck - 12 Uhr mittags. Die Hälfte eines Tages ist um. Und wer über den Alltag in den Stadtteilen berichten will, der kommt zu dieser Uhrzeit nicht am MittagsTreff vorbei: Seit zwei Jahren organisieren nämlich 19 Frauen ehrenamtlich ein gemeinsames Essen für Wolbecker Senioren im Café des Achatius-Hauses. Es geht natürlich auch um gesunde Ernährung im Alter - aber Gabriele Knuf-Siegler erklärt als Sprecherin des Teams: „Es ist vor allem ein Kampf gegen die Einsamkeit imAlter.“

Heute sind 25 Senioren gekommen, eine Dame ist zum ersten Mal hier, sowieso sind fast alle Frauen - und diejenigen am Tisch ganz hinten nennen sich sehr frech „Der Witwentisch“. Hier herrscht gute Laune: „Jeder von uns hat ein anderes Wehwehchen“, scherzt die Eine und die Andere spielt den Ball zurück: „Die Gesprächsthemen nehmen deswegen bei uns kein Ende.“

Keine Frage: Das Essen kommt gut an, geliefert wird es von den Alexianern. Und den Nachtisch machen die Ehrenamtlichen mit viel Aufwand selbst - er ist, so sagen die Gäste, „das i-Tüpfelchen“ - aber eigentlich ist der „Witwentisch“ vor allem wegen der guten Unterhaltung hier zusammengekommen. Wobei gut die Hälfte der Senioren aus dem Ortskern vorbei kommt und die andere Hälfte der Gäste aus dem betreutem Wohnen nebenan. Bei Bedarf holen die Ehrenamtlichen auch gerne Leute von zu Hause ab.

Heute gibt es Rindfleisch mit Meerrettichsoße, Salzkartoffeln und Rote-Bete-Apfelsalat. Zum Dessert haben die Frauen Vanilleeis und Rote-Grütze mit Sahne vorbereitet. Und es mundet allen sehr, Knuf-Siegler schreibt in ihren Ordner: Sehr gut. Denn sie führt sogar Statistik darüber, wie was schmeckt, was man sich besser schenken kann und was es öfter geben sollte.

Außerdem ist dieser ganze große Ordner ein eindrucksvolles Indiz dafür, wie viel Arbeit in Wahrheit hinter diesem einfachen Mittagessen steckt. Welche Helfer an welchem Tag kommen, wer davon das Dessert macht und deswegen früher kommen muss, welche Senioren abgeholt werden, und so weiter und so fort: Der Ordner weiß es, er muss es wissen, und mit dieser Bürokratie fängt die Arbeit ja eigentlich erst an.

Trotzdem sagt Knuf-Siegler aus dem Brustton der Überzeugung: „Es macht immer Spaß! Es ist eine sehr befriedigende Arbeit!“ Denn wenn die Leute sich wohl fühlen und „spüren, dass wir ihnen sehr zugetan sind, dann geben sie das auch zurück - und das ist eine tolle Motivation.“

» Der Wolbecker MittagsTreff kommt jeden Dienstag und Donnerstag um 12 Uhr im Café des Achatius-Hauses zusammen. Die Kosten für das Essen betragen fünf Euro. Anmeldungen nimmt das Achatius-Haus unter der Telefonnummer 0 25 06 / 30 46 - 0 entgegen.

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