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MS-Süd

14 Uhr: Sein Revier ist neunmal so groß wie Monaco

Markus Lütkemeyer

Münster-Wolbeck - 14 Uhr. Es passiert jetzt nicht mehr oft, aber manchmal kracht und knackt es noch im Tiergarten und dann fällt ein Baum ganz einfach um. Der Tornado, der hier Mitte vergangenen Jahres auf einer 35 Hektar großen Flächen die Wipfel alter Eichen wie Korkenzieher abgedreht hatte, beschädigte auch viele Wurzeln. Und doch: „So ein Sturmschaden ist eigentlich schnell verwischt“, schaut sich der Forstbetriebsbeamte Hans-Lothar Wermter heute um und staunt darüber selbst am meisten. Er findet den Wolbecker Wald jetzt sogar noch schöner als früher. Die Sonne scheint durch die Kronen, es ist hell, grün - wild.

Wermter betreut eines von 29 Forstrevieren des Regierungsbezirkes Münster. Sein Revier umfasst schlappe 1700 Hektar Wald. Das ist eine Fläche fast neunmal so groß wie Monaco und drei mal größer als Gibraltar. Und 400 Hektar davon sind der Tiergarten, einst eingezäuntes fürstbischöfliches Jagdrevier, heute Wolbecks grüne Lunge.

Im Tiergarten werden die Flächen nicht komplett abgeholzt, die Bäume sind nicht alle gleich alt, es dürfen sogar ein paar tote Bäume stehen bleiben. Wermter erklärt: „Wir durchforsten und durchforsten und durchforsten.“ Das heißt, er und seine drei Waldarbeiter holen immer nur einzelne Bäume aus dem Wald.

Allerdings nur im Winter, denn sonst sieht man die Kronen der Bäume nicht und dann ist das zu gefährlich. Das ist aber auch eine Frage des Artenschutzes und der Tatsache geschuldet, dass Bäume im Sommer so empfindlich sind. Sie stehen voll mit Wasser. „Und die kleinste Beschädigung ist schädlich. Im Winter sind die Bäume unempfindlicher.“

Wermter zeigt auf einen großen Stapel Holz. „Hier zum Beispiel liegt Eichenstammholz. Das ist bereits verkauft.“ Die rote Schrift zeigt es an. Den Kaufpreis schätzt der Forstbetriebsbeamte auf 600 Euro. „Eichenholz geht gut zur Zeit“, kommentiert Wermter, es werden Balken, Bretter und Bohlen daraus gesägt. Ganz schlecht laufe dagegen der Markt für Buchenholz.

Landwirtschaftliche Schlepper holen mit Seilwinden die gefällten Bäume aus dem Wald und stapeln sie mit einem „Polterschild“ auf einen „Polter“, so heißen die Stammhaufen am Wegesrand.

Als damals der Sturm über Wolbeck hereinbrach, wurden die Polter schnell so hoch, „die mussten das Holz vom Weg wegholen, während wir es noch rausgeholt haben“. Sonst wäre auf den Wegen gar kein Platz für all das kaputte Holz, die umgeknickten und dann gefällten Bäume mehr gewesen.

Manchmal merkt man Wermter den Schock von damals noch an. Es war nicht nur ein Millionenschaden. Er sagt: „Der Wald war damals ein trauriger Anblick.“

Zum Schluss fährt Wermter zu einer riesengroßen Freifläche. Hier hat der Sommersturm 2010 ganz kräftig gewütet und davor hat hier schon der Orkan Kyrill eine Schneise geschlagen. Jetzt hat Wermter hier neue Eichen pflanzen lassen. Sie wachsen ihm schon bis zur Brust.

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