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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

15.000 Narren säumten die Ortsdurchfahrt

wn

Obersteinbeck. Wer sich gestern in der Wohnung verkrochen hatte, war selber Schuld. Ganz Obersteinbeck und gefühlte 170 000 Gäste, wie Kommentator Peter Junk augenzwinkernd schätzte, säumten die Hörsteler Straße. Den 26. Karnevalsumzug in der kleinen Hochburg wollte sich kaum jemand entgehen lassen. Die Narren feierten ausgelassen auf der Straße, bewunderten die Meisterwerke der Wagenbauer und besonders die Kleinen ergatterten gleich säckeweise Kamelle.

„Ihr wisst ja, wie viele heute Abend jeder mit nach Hause nehmen muss“, scherzte Junk, der seine Jecken wie immer bei bester Laune hielt, im Hinblick auf die Gästemassen. „Die werden gerecht verteilt.“ Die Schätzungen der Zuschauerzahl schwankten je nach Grad des lokalen Patriotismus zwischen „mindestens 10 000“ – das schätzte ein Polizist – bis zu 25 000.

Die Zweite Zahl fiel im Dunstkreis des Veranstalters auf dem Balkon des „Narrenrathauses“. Realistisch sind vermutlich um die 15 000 Besucher, die die Einwohnerzahl für kurze Zeit vervielfachten.

Sicher war allerdings, dass alle hervorragend aufgelegt waren – durften sie sich doch wieder einmal in strahlendem Sonnenschein aalen.

Insgesamt 48 Wagen, Fußgruppen und Musikzüge aus Obersteinbeck selbst, den umliegenden Gemeinden und der weiteren Umgebung zogen als fast drei Kilometer langer närrischer Tross durch den Ort. „Wir haben in diesem Jahr besonders viele Wagen, die mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet sind“, freute sich Peter Junk, der sich seinen Moderationsjob mit Ulrich Vorndiek teilte. „Nicht einfach zusammengezimmert nach dem Motto ‚wir wollen feiern‘.“

Ein besonders schön gestalteter Wagen war sicherlich der der „Deo Narren“ aus Ibbenbüren. Sie hatten bereits vor Weihnachten damit begonnen ihr fahrendes Knusperhäuschen mit knapp 1000 echten und – kaum zu glauben – selbstgebackenen Lebkuchen zu verzieren.

Thematisch deckte die Narretei eine breite Palette ab. Im Bereich Film und Fernsehen, gab es beispielsweise einen „Wilde-Kerle-Wagen“, „Lukas der Lokomotivführer“ hatte eine Gruppe inspiriert und auch die Sendung „Bauer sucht Frau“ war in Form eines Wagens verewigt. Doch die Jecken schlugen auch ernstere Töne an. Die Kluft zwischen Arm und Reich war ebenso ein Thema wie der Bahnstreik, die Benzinpreise, die Erhöhung der Politikerdiäten oder der Bau der umstrittenen Verkehrsinsel in Steinbeck als lokale Kritik.

Andere Gruppen griffen lieber zu zeitlosen Themen wie „Zirkus“, die „70er“, „Oktoberfest“ Ritter, Piraten oder Neandertaler. Die Besatzung des „Mettinger-Narrenkarren“ blickte schon ein wenig in Richtung Sommer. Ihr Thema war die Fußball-Europameisterschaft.

Nach dem bunten Umzug, der mit Hin- und Rückweg etwa zweieinhalb Stunden dauerte, folgten viele Jecken der Einladung zur Party ins Festzelt an der Gaststätte „Zumwalde“.

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