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Zukunft Münsterland

25 Euro für ein Lächeln in Vietnam

Nadine Jansen

Vietnam/Altenberge - Phan ist sechs Jahre alt. Was eine Wirtschaftskrise oder eine schwere konjunkturelle Lage ist, weiß sie nicht. Phan weiß nicht einmal genau, wo Deutschland liegt. Phan wohnt in den Bergen Vietnams, nur wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Sie lebt in einer aus Brettern gezimmerten und auf Pfählen stehenden Hütte. Die Schlafplätze sind nur durch einen Vorhang vom Rest der Hütte abgetrennt. Dort liegt sie abends mit ihren Eltern, ihren vier Geschwistern und den Großeltern. Im Winter wird es oft so kalt, dass die Familie sich nur gegen die Kälte schützen kann, wenn sie im Bett bleibt.

Die Schule, die Phan seit Kurzem besucht, ist 45 Gehminuten entfernt. Zum Essen gibt es Reis und selbst angebautes Gemüse, bei besonderen Anlässen auch mal ein Huhn. Wenn Phan auf Toilette muss, geht sie aufs Feld. „Wenn man so etwas sieht, dann merkt man, in was für einem Überfluss man lebt und bekommt wieder ein bisschen Bezug zur Realität“, sagt Tina Koch aus Altenberge, die Patentante des Mädchens. Gemeinsam mit ihrem Freund Gandi Bakac, einem Syrer, hat die Deutsche ihr Patenkind im Februar besucht. Sie wollte sowieso immer schon einmal nach Vietnam, sagt sie.

Über die Patenschaftsorganisation „Plan International“ ist die 33-Jährige eine Patenschaft eingegangen, zahlt 25 Euro im Monat, um einem Kind in armen Verhältnissen den Schulbesuch zu ermöglichen, um die Struktur des Ortes und die Versorgung der Familie ein wenig zu verbessern. „Ich habe aufgehört zu rauchen und wollte das Geld nicht für mich, sondern sinnvoll ausgeben“, sagt die Altenbergerin, die im Uni-Klinikum Münster als Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) arbeitet und dort Zytostatika für Chemotherapien herstellt. Daran, ihre Patenschaft aufzugeben, um sich eventuell einen zusätzlichen Kurzurlaub pro Jahr zu leisten, denkt sie nicht. Da müsse sie schon selbst am Hungertuch nagen, damit so etwas passiere.

Ähnlich wie Tina Koch denken viele Leute: „Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat die Finanzkrise keine Auswirkungen auf die Zahl der Patenschaften bei Plan Deutschland gehabt“, sagt Barbara Wessel, eine Pressesprecherin der Organisation. Allein in den vergangenen vier Jahren habe man stattdessen deutschlandweit die Zahl der Patenschaften von 200 000 auf 280 000 Patenschaften steigern können. „Wir sind, was das zukünftige Spendenaufkommen betrifft, weiter zuversichtlich. Plan finanziert seine Projekte in den Programmländern eben nicht nur über Einzelspenden, sondern vor allem über langfristige Patenschaften.“ Und dieses Patenschaftskonzept, das scheine auch in Krisenzeiten wenig anfällig.

Im Münsterland gibt es derzeit 4980 Patenschaften. 1393 Menschen aus der Stadt Münster haben ein Patenkind in einem der 48 von Plan betreuten Entwicklungsländer, im Kreis Steinfurt sind es 1124 Kinder, im Kreis Borken 949. 801 Kinder haben einen Paten im Kreis Coesfeld gefunden, 713 Kinder können dank der Unterstützung aus dem Kreis Warendorf beispielsweise in die Schule gehen.

Phan ist nur eins der geförderten Kinder. Wenn sie Glück hat, dann wird bald sogar eine Schule eingerichtet, die näher an ihrem Zuhause liegt. Ihre Patentante Tina Koch möchte sie so bald wie möglich noch einmal besuchen, ihr dann wieder Gummibärchen und Maoam mitbringen. Süßigkeiten, die das kleine Mädchen seit dem Besuch der Altenbergerin liebt. Bis dahin aber kommen regelmäßig Neuigkeiten zur Lebenssituation der kleinen Phan und der anderen Kinder nach Deutschland. Damit man auch in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise weiß, was genau mit den gespendeten Geldern passiert. Und sollte es doch einmal Knall auf Fall kommen: Eine Patenschaft bei Plan kann man jederzeit und ohne die Angabe von Gründen wieder beenden.

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