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„Ja-Wort“ kostet die Freiheit

33-Jähriger zieht Termin beim Standesamt der Berufungsverhandlung am Landgericht vor

Westerkappeln/Mün...

Im „Hafen der Ehe“ ist aller Voraussicht nach am Mittwoch ein 33-Jähriger aus Westerkappeln gelandet. Eigentlich nichts Berichtenswertes – hätte neben dem Standesamt nicht noch eine andere Sache angestanden. Denn just an dem selben Tag sollte der Mann auch vor dem Landgericht Münster erscheinen.

Hans-Erwin Ewald

Im „Hafen der Ehe“ ist aller Voraussicht nach am Mittwoch ein 33-Jähriger aus Westerkappeln gelandet. Eigentlich nichts Berichtenswertes – hätte neben dem Standesamt nicht noch eine andere Sache angestanden. Denn just an dem selben Tag sollte der Mann auch vor dem Landgericht Münster erscheinen, wo die Berufungskammer ihn als Angeklagten zur Hauptverhandlung geladen hatte.

Der 33-Jährige wollte sich gegen ein Urteil des Amtsgerichts Tecklenburg zur Wehr setzen. Dieses hatte im zu Grunde liegenden Fall den Bewährungsversager im August wegen Betrugs in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Nach den damaligen Feststellungen hatte der Westerkappelner 2010 und dieses Jahr mehrfach Waren im Internet entweder unter falschem Namen bestellt oder bestellt und nicht bezahlt.

Obwohl dem Angeklagten rechtzeitig am 17. November ordnungsgemäß mit Zustellungsurkunde der Berufungstermin mitgeteilt wurde, blieb der Mann der Hauptverhandlung fern. Stattdessen zog er offensichtlich sein Ja-Wort vor. Richter, Schöffen und den Staatsanwalt ließ er sitzen.

Dabei hatte der Angeklagte es nicht einmal versäumt, dem Gericht seine bevorstehende Eheschließung mitzuteilen. Aber zu spät, wie die Entscheidung der Berufungsrichter zeigte. Erst einen Tag vor der Verhandlung am Mittwoch habe das Schreiben die Kammer erreicht, hieß es. Außerdem sei die Bestätigung des Standesamtes erst mit dem 12. Dezember datiert gewesen.

Da gab es nichts mehr zu rütteln. Mit Zustimmung des Staatsanwaltes verwarf das Landgericht die Berufung. Die Gerichtskosten kommen als „Hochzeitsgeschenk“ noch obendrauf. Die Flitterwochen muss der Mann vielleicht im Gefängnis verbringen. Der Gang hinter Schloss und Riegel ist jetzt jedenfalls so gut wie unausweichlich.

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