1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. 50 Jahre Rathaus: „Ein starkes Symbol“

  6. >

Lokales

50 Jahre Rathaus: „Ein starkes Symbol“

Lukas Speckmann

Münster. 1948 sah es schlecht aus für das historische Rathaus am Prinzipalmarkt. Bis auf ein paar Reste seiner Außenmauern war es im Bombenkrieg niedergebrannt, und die Stadt und ihre Bewohner hatten dringendere Probleme. Es ging, wie der frühere Stadtmuseumsdirektor Hans Galen betonte, ums nackte Überleben. Ausgerechnet in dieser außergewöhnlich schweren Zeit ergriff der Vorsitzende der Kaufmannschaft von 1835, Friedrich Leopold Hüffer, die Initiative, zum 300. Jahrestag des Westfälischen Friedens den historischen Friedenssaal wiederherzustellen.

Die Wiedereröffnung des Saales und die gleichzeitige Friedensausstellung im Landesmuseum im Oktober 1948 waren ein starkes Signal: Das Rathaus wurde bis 1958 wiederaufgebaut. Auch dabei war die Kaufmannschaft federführend, doch schließlich wurde ein bürgerschaftliches Projekt von großer Symbolhaftigkeit daraus. Am Sonntag wurde im Rathaus dreifach gefeiert: Der Wiederaufbau vor 50 Jahren, die provisorische Wiedereröffnung des Friedenssaales vor 60 Jahren und der Friedensschluss von 1648 überhaupt waren Gegenstand eines Festakts.

Dabei verlieh Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann drei silberne Rathausgedenkmünzen an die Vertreter jener Partner, die den Erfolg von 1958 ermöglicht hatten: An Dr. Anton Wilhelm Hüffer, den Ehrenvorsitzenden der Kaufmannschaft von 1835, der in seinem Grußwort an den „beispielhaften Bürgersinn der Nachkriegsjahre“ erinnerte; an Hans Rath, den Präsidenten der Handwerkskammer, und an LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch als Vertreter der „kommunalen Familie“. Denn das historische Rathaus sei ein Symbol der ganzen Region – und unterstreiche nach wie vor Münsters Anspruch, Hauptstadt zu sein, wie Kirsch betonte.

In seiner schwungvollen Festrede erinnerte Hans Galen an die wechselhafte Vergangenheit des um 1250 entstandenen Hauses. Nicht zuletzt daran, dass die Wiederaufbauleistung nur gelingen konnte, weil die Menschen in der Stadt und der Region mitzogen: „Wenn die Politik dem Bürger ein überzeugendes Ziel gibt, macht der Bürger mit“, sagte Galen unter dem starken Beifall der Festgäste.

Fast noch mehr Beifall erhielt Nikolaus Neuhaus. Der 19-jährige Annette-Gymnasiast stellte als Vertreter der jungen Generation die Frage, inwiefern der Wiederaufbau eines alten Gebäudes als Zeichen des Neuanfangs verstanden werden könne. Er habe immer wieder junge Besuchergruppen im Friedenssaal erlebt, die sich von dieser Tradition begeistern ließen: „Sich begegnen, sich verstehen, sich miteinander einsetzen“ – dafür stehe Münsters historisches Rathaus auch heute.

Startseite