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Verheerende Folgen

Absatzeinbrüche durch EHEC sind die schlimmsten seit Tschernobyl

Martin Kalitschke

Münster - 5000 Kisten Salat und Tomaten erntet der Wolbecker Gemüsebauer Hugo Runtenberg pro Woche. Doch seit des EHEC-Keims, kann er nur noch einen Bruchteil absetzen. „Der Umsatz ist um 60 Prozent zurückgegangen“, klagt der Landwirt, „EHEC kostet uns pro Tag 2000 Euro.“ Allein in der vergangenen Woche musste er 3000 Kisten Salat vernichten. „Das habe ich zuletzt vor 25 Jahren erlebt“, sagt Runtenberg - nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl.

Rund ein Dutzend Gemüsebauern gibt es etwa um Münster herum, tatenlos müssen sie schon die dritte Woche zuschauen, wie ihre Absatzmärkte und damit auch ihre Einkommen einbrechen. „Die Auswirkungen der weiterhin bestehenden Warnungen vor Tomaten, Gurken, Sprossen und Salat sind verheerend“, betont Heinz-Georg Buddenbäumer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster.

Zumindest für die Gemüsebauern ist die aktuelle Situation sogar noch schlimmer als Tschernobyl: „Damals gab es nach zwei Wochen Entwarnung, danach zog der Absatz wieder an“, sagt Runtenberg. Eine EHEC-Entwarnung ist hingegen nicht in Sicht. „Einige Betriebe im Umland rechnen bereits damit, dass sie zumachen müssen.“

Christine Rohlmann baut in Wolbeck Kräuter und Kürbisse an, außerdem vermarktet sie Salat, Gurken und Tomaten. Seit Ausbruch der EHEC-Krise registriert sie ebenfalls Absatzrückgänge zwischen 50 und 70 Prozent - vor allem bei Salat. „Tomaten werden gerade wieder etwas mehr gekauft.“ Ob dauerhaft oder nur vorübergehend, das vermag im Moment niemand zu sagen. Wie Hugo Runtenberg vergleicht auch Christine Rohlmann die aktuellen Absatzeinbrüche mit der Situation nach dem GAU in Tschernobyl.

„Auf unserem Hof hat es noch nie so viele freiwillige Probenentnahmen gegeben wie in den letzten drei Wochen“, berichtet Runtenberg - alle seien negativ gewesen. „Nichts, kein EHEC.“ An der Kaufzurückhaltung der Kunden habe dies jedoch kaum etwas geändert, stellt er frustriert fest.

„Es muss nun schleunigst die Aufklärung des EHEC-Falls erfolgen, um unsere Landwirte zu entlasten und weiterhin qualitativ hochwertiges Gemüse absetzen zu können“, appelliert Kreisverbandsvorsitzender Buddenbäumer. Dabei sollten alle Akteure - Politik, Behörden und Wissenschaft - „eng zusammenarbeiten“.

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