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Agnes-Miegel-Straße: Anlieger richten Beschwerde an den Rat

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Neuenkirchen-St. Arnold. Die Anlieger der Agnes-Miegel-Straße wollen sich noch nicht geschlagen geben. In einem Schreiben an Bürgermeister Franz Möllering fordern sie den Rat der Gemeinde auf, die Straße nicht umzubenennen und die Entscheidung des Kulturausschusses zurückzunehmen. Indirekt drohen sie sogar mit Klage gegen die Umbenennung.

So schreiben Werner Gerlach und Herman H. Schurink im Namen der Anlieger: „Bei Nachforschungen in Münster und Steinfurt wurde klar, dass Anregungen und Beschwerden (gegen eine Straßenumbenennung) möglich sind nach § 24 GO NRW Landesrecht Nordrhein-Westfalen, und auch eine Petition beim Petitionsausschuss des Landtages NRW nach § 4 der Landesverfassung ist möglich.“ Deshalb versuchen sie es noch einmal auf dem Wege einer Beschwerdeschrift an den Rat gegen die Umbenennung der Agnes-Miegel-Strasse, versehen mit den Unterschriften von 58 der 76 Anlieger.

Die Unterzeichner schreiben aber auch: „Wenn die Beschwerde und eine eventuelle Petition abgewiesen werden, stimmen 63 Anlieger für eine Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße in Anne-Frank-Straße.“ Die MV hatte darüber berichtet, dass sich die Anlieger für diesen Namen ausgesprochen hatten.

Hauptgrund für die Umbenennung war die Meinung des Kulturausschusses, dass die Schriftstellerin sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu keiner Zeit öffentlich vom „Dritten Reich“ distanziert hat. Das sehen die Anlieger anders. Nach Anfang des Krieges 1939 habe Miegel ihre Briefe nicht mehr mit „Heil Hitler“, sondern mit „Gott ergebenen Gruß“ unterzeichnet. Sie habe Einladungen für Lesungen von der Partei abgesagt, „weil sie schon Einladungen vorliegen hatte, die aus humanen Einrichtungen stammen“.

Ihre Nazi-Vergangenheit habe Miegel „bereits 1945 mit Ihrem Gott abgemacht“. Die Anlieger schreiben: „Es gibt keine höhere Autorität in der christlichen Glaubensgemeinschaft als Gott. Könnte man dann jetzt einfach sagen, sie hat sich nicht distanziert, wenn sie sich mit ihrem Gott verständigt hat? Zweifelt man wirklich am Urteil Gottes und weigert das als eine allgemeine entlastende Entschuldigung die Menschen gegenüber zu akzeptieren? Wir sollen nicht vergessen, dass wir in einem modernen Rechtstaat leben, wo man ein Gerichtsurteil anerkennt. Und dieses Urteil kann man deshalb nach 60 Jahren nicht einfach vom Tisch fegen. Also müssen wir feststellen: Agnes Miegel hat sich öffentlich vom Nazi-Regime distanziert oder wurde öffentlich distanziert.“

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