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Ahlen: Freunde gestalten Graffiti für ihren ertrunkenen Freund Bahattin

Ralf Steinhorst

Ahlen - „Es ist eine schöne Aktion, aber wir hoffen, dass wir es nie wieder machen müssen“, erinnert Okan Uzumer mit seinen Freunden mit einem Graffiti am Bahndamm des Holzwegs an ihren Freund Bahattin Cinar, der am 11. Juni im Datteln-Hamm-Kanal ertrunken ist. Der Vorfall löste damals große Bestürzung aus, der Freundeskreis um den damals 21-jährigen Bahattin Cinar kann dessen Tod auch heute noch nicht fassen.

Zunächst nahmen die Freunde Orkan Uzumer, Ersan Erarslan und Defkan zwei Wochen nach dem tödlichen Unfall ein Lied auf, das im Internet auch unter „You Tube“ zu sehen ist. Es ist ein Rap in türkischer Sprache mit dem übersetzten Titel „Alles außer dem Tod ist eine Lüge“. Aber das reichte den rund 20 Freunden noch nicht, die alle im Umfeld der Hansastraße wohnen, sich ständig begegnen und viel Zeit miteinander verbringen.

„Für uns war Bahattin sehr menschlich, sein Charakter etwas Besonderes. Außerdem war er außergewöhnlich hilfsbereit“, nennt Okan Uzumer die Gründe, warum die Freunde sich dann dazu entschieden, noch eine weitere Aktion durchzuführen. Vor zwei Monaten kam ihnen spontan die Idee, für Bahattin ein Graffiti am Bahndamm am Holzweg zu erstellen. Warum gerade ein Graffiti? Weil sie halt eine kreative Gruppe seien, wo alle dachten, das müsse unbedingt sein.

Weil die Freunde aber die Kunst des Sprayens nicht beherrschen, das Andenken aber gut aussehen sollte, engagierten sie mit King Mase und Uzey zwei professionelle Sprayer. Am Ende der Woche wurde der Hintergrund des Andenkens schon einmal mit schwarzer Farbe vorbereitet.

Am Samstagmittag setzten die beide Sprayer dann die Vorstellungen des Freundeskreises um. Das Werk ist schlicht gehalten, auf ihm ist das übergroße Gesicht von Bahattin zu sehen, das mit einer roten Rose verziert ist. Gleichzeitig ist in blauen Lettern der Name Bahattins zu lesen. Aber auch ein weiterer Schriftzug in Türkisch: „Wir werden dich nicht vergessen“.

Bahattins Vater Mehmut Cinar hat die Entstehung des Graffiti mitverfolgt und sich bei den Freunden seines Sohnes bedankt: „Sie haben mich gefragt, ob sie das mit dem Rap und dem Graffiti machen dürfen. Ich habe sofort zugesagt. Für mich ist es eine Ehre und es gefällt mir gut.“ Aber auch den Freunden gefällt das Graffiti und sie finden, dass das Gesicht Bahattins sehr gut getroffen ist. Und alle finden: „Die Freundschaft geht über den Tod hinaus. Der Tod hindert uns nicht.“

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