1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Albtraum mit langen Ohren

  6. >

Gewinnspiel zu „Hop“

Albtraum mit langen Ohren

wn

Wenn Ostern vor der Tür steht, legen die Fernsehsender dem Publikum gern „glitzernde Ostereier“ ins Nest und meinen damit zweitklassige romantische Komödien, die sie zwischen alten Bibel-Schinken versenden.

An den Osterhasen denkt dabei niemand. Weshalb die Macher von „Hop“ jetzt fast Pioniere sind, wenn sie dem legendären Hoppeltier einen Gala-Auftritt bescheren: als digitales Trickfilmvieh unter echten Schauspielern. Ein Mensch fährt „Hop“ an und muss nun anstelle des Osterhasen die Eier austragen, wird von jenem aber nach Kräften unterstützt.

Es wäre ja auch mal Zeit für eine Rehabilitierung des Hasen als positives Kinotier - „Roger Rabbit“, Steven Spielbergs Hasentrickfilm, ist schließlich schon mehr als 20 Jahre alt. Und davon abgesehen stand der Hase im Kino oft für Schocks und Traumata, wenn er nicht gleich zum Symbol der Psychoanalyse hochgedeutet wurde.

Man denke nur an „Alice im Wunderland“: Da ist es ja der „Weiße Hase“, dem Alice ins Wunderland durch ein tiefes Loch hinterherpurzelt. Klar, dass das immer wieder als Sturz ins Unterbewusste interpretiert wurde. Und schon 1950 führte der große James Stewart in „Mein Freund Harvey“ einen zwei Meter großen, weißen, allerdings unsichtbaren Hasen spazieren: der niedlichste Psychofall der Filmgeschichte.

Überhaupt diese Niedlichkeit. Das macht den Kontrast zum Bösen so stark - und Schocks so leicht. In „Eine verhängnisvolle Affäre“ kochte die eifersüchtige Glenn Close das Kaninchen der Familie von Michael Douglas im Kochtopf, der Trickfilm „Unten am Fluss“ hat mit seinen leidenden Häschen unzähligen Kindern schlaflose Nächte bereitet. Selbst die Knetfiguren Wallace & Gromit mussten sich schon mit einem finsteren „Riesenkaninchen“ herumplagen.

Der Rest ist Surrealismus: Im Kultfilm „Donnie Darko“ kommuniziert Jake Gyllenhaal mit einem Teufelshasen, und in David Lynchs „Inland Empire“ gibt es eine düstere Sitcom mit menschlichen Kaninchen.

Klingt verstörend? Ist es. Die Zeit ist wirklich reif für einen neuen netten Leinwandhasen der Güteklasse Bugs Bunny. Mal sehen, wie hoch „Hop“ hüpft - an der Kinokasse.

Startseite