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Mondfahrt war gestern: Obama will noch zu Lebzeiten auf den Mars

Alles auf Rot

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An großen Visionen hat es US-Präsident Barack Obama noch nie gemangelt. Nun hat er nach dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt auch die Reise zum Mars ins Visier genommen - nicht persönlich natürlich, sondern für künftige Nasa-Astronauten. Und als attraktives Trostpflaster für jene Kritiker, die zuletzt lautstark das Ende der Shuttle-Missionen und das herannahende Ende der bemannten Raumfahrt beklagten.

Wie Neil Armstrong beispielsweise, der erste Mann auf dem Mond. Der hielt sich seit seinem historischen Schritt stets mit Aussagen zurück, doch schrieb er kürzlich sogar einen offenen Brief an das Weiße Haus. Auch an Armstrong ist der aufmunternde Erklärungsversuch gerichtet, den Obama am Donnerstag in Cape Canaveral in volkstümlicher Manier formulierte: „Wir waren doch schon auf dem Mond. Es gibt doch so viele interessantere Sachen im All.“

Und damit meint der bei diesem Thema zuletzt im Kongress in die Defensive geratene Obama nicht nur den Roten Planeten, auf den „um das Jahr 2035“ ein US-Astronaut den Fuß setzen soll - ein Meilenstein, den der Präsident selbst mitzuerleben gedenkt. „Ich werde dabei zusehen,“ prophezeite er den versammelten Nasa-Mitarbeitern. Damit hat er es sogar noch eiliger als sein Amtsvorgänger: George W. Bush versprach den Bürger einst, bis 2050 würden Menschen zum Mars fliegen. Obamas Idee enthält noch einen wichtigen Zwischenschritt: Zuvor soll es in Richtung eines Asteroiden gehen - als Teil des „Sprungs in die Zukunft“ der bemannten Raumfahrt, hinter der niemand stärker stehe als er selbst.

Der US-Präsident bewegt sich mit der Verkündung dieser Strategie auf einem Zickzackkurs. Zum einen will er an dem ursprünglichen Ziel eines stark verschlankten Raumfahrt-Programms festhalten und auch stärker Privatunternehmen beteiligen, zum andern jedoch den Proteststurm unter jenen abebben lassen, die nach dem Kippen des Mondprogramms ein Abrutschen der führenden Raumfahrtnation USA in die Drittklassigkeit befürchten - und den Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen vor allem in Florida, Texas und Alabama.

Obama versucht nun bei den Zweiflern mit einem Bündel an Zusagen zu kontern. Das Budget der Weltraumbehörde Nasa wird erst einmal um rund 4,5 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren aufgestockt, und entlang der Küste Floridas sieht Obama ziemlich optimistisch rund 2500 neue Arbeitsplätze entstehen.

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