1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Alles Pute zu „Thanksgiving“

  6. >

Doktors Rezeptblock

Alles Pute zu „Thanksgiving“

wn

Schlecht zu kochen ist keine große Kunst. Auch noch stolz darauf sind vorzugsweise amerikanische Hausfrauen. Aber grillen können sie. Zum „Thanksgiving Day“ wird traditionell mit Freunden ein Truthahn vertilgt. Eine Familie kann diese gigantischen (zehn Kilo und schwerer) Kolosse allein nicht verspeisen. In den USA kommt der Vogel auf den Kugelgrill. Genauso wie bei Tom Buhrow – früher Washington-Korrespondent der ARD und jetzt „Mr. Tagesschau“, der auch in Deutschland die Truthahn-Tradition pflegt.

Nun werden sich die Leser nicht auf der Stelle einen Kugelgrill kaufen. Hier und heute gibt es die Sechs-Kilo-Variante für deutsche Backöfen. Für zehn bis zwölf Personen mit der Garantie, dass das Tier am 22. November innen saftig und außen goldgelb auf ihren Tisch kommt.

Das Problem mit dem Geflügel in der normalen Alltagsküche: Da kann das Brustfleisch saftig zart sein und die Schenkel noch blutig. Gibt man das Tier länger in den Ofen, bis die Keulen gar sind, ist das Brustfleisch trocken. Das gilt erst recht für einen schweren Truthahn. Der hat ja eine Menge Körpergewicht zu tragen und dadurch robuste Schenkel mit einer festen Fleischstruktur, die längere Garzeiten benötigt als die zartere Brust.

Daher muss ich die Machos unter den Fleischliebhabern enttäuschen: Das Tier kommt nicht wie eine Trophäe als Ganzes auf die Servierplatte, sondern wir unterscheiden (für Männer bildlich) Vorderradaufhängung und Stoßdämpfer.

Zunächst sollte das Tier die Chance bekommen, sich an die Umgebung zu gewöhnen, also Zimmertemperatur anzunehmen, bevor es innen und außen abgewaschen, trockengetupft und mit Pfeffer und Salz gewürzt wird. Die Flügelspitzen, der Hals, etwas dazu gekauftes Geflügelklein und das Gemüse werden grob zerteilt, mit Rosmarin, Salbei, Pfeffer und Salz auf ein tiefes Blech gegeben, der zuvor gefüllte Truthahn mit der Brustseite nach unten darauf und ¼ l Geflügelfond dazu. Für die Füllung schmort man grobe Zwiebelwürfel, Petersilienwurzel und Salbei an, würzt (leicht abgekühlt) mit Abrieb von Zitrusfrüchten, Petersilie, groben Orangenwürfeln und -likör und gibt die Masse in den Truthahn, der dann zugesteckt im auf 120°C vorgeheizten Backofen etwa drei Stunden 45 Minuten gegart und zwischendurch immer wieder mit etwas Fond übergossen wird.

Jetzt werden die Flügel und Brüste des Truthahns ausgelöst und in Alufolie eingewickelt. Die Keulen werden abgetrennt und mit der Hautseite nach oben auf den Bratenfond gegeben, ca. anderthalb Stunden weitergebacken, Flügel und Brüste (ohne Folie) dazugegeben und gemeinsam noch 30 bis 40 Minuten zu Ende gegart. Wenn man in der Mitte der dicksten Fleischstücke das Thermometer einsticht und es etwa 60° C anzeigt, kommt das Fleisch auf ein anderes Backblech, wird mit flüssiger Salzbutter bepinselt und rund sechs Minuten bei Oberhitze gegrillt, dann mit Johannisbeergelee eingepinselt und noch einige Minuten goldgelb gegrillt.

In der Zwischenzeit wird der Bratensaft fein durchgesiebt, zur Hälfte eingekocht, mit Pfeffer, Salz, Aprikosenkonfitüre und Likör abgeschmeckt, mit (in kaltem Wasser) aufgelöster Stärke angedickt und noch einige Minuten geköchelt.

Das Rezept für die dazugehörige Cranberrysauce gibt’s in der nächsten Woche.

Bis dahin – charmante Herbsttage. Und vergessen Sie nicht: Alles wird gar!

Startseite