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Schneeräumung in Ahlen

Alles schiebt gegen den Schnee an

Jörg Pastoor

Ahlen - Wohin noch mit dem Schnee? Raus aus der Stadt. Aber trotz des massiven Einsatzes von Umweltbetrieben und Lohnunternehmern bleibt es teilweise noch immer schwer für alle, die über die Straßen müssen. Unsere Redaktion zog am Montag eine Zwischenbilanz.

Bevor noch so etwas passiert wie in Münster, hat die Stadt am Montagmorgen gleich zwei Dachdeckerfirmen zusammen mit der Feuerwehr auf die Friedrich-Ebert-Halle geschickt. „Sie hat ein besonders großes Dach“, begründete Bürgermeister Benedikt Ruhmöller. Die heute geplanten Fußball-Hallen-Stadtmeisterschaften können jetzt auf jeden Fall stattfinden.

Als nächstes werde in Absprache mit dem Zentralen Gebäude- und Liegenschaftsmanagement und einem Statiker die Don-Bosco-Halle überprüft. Allerdings sei da keine Gefahr im Verzug, weil es keine Veranstaltungen gebe. Da kommt der Stadt auch die Ferienzeit entgegen - darüber hinaus seien die Kindergärten geschlossen. Wenig später dann Entwarnung: keine Halle, die einsturzgefährdet wäre. Im Gegensatz zu den leerstehenden Gewächshäusern eines Gartenbaubetriebs, die unter dem Schnee nachgeben.

Die Prüfung der Langst ist abgeschlossen: Es gab keine sichtbaren Hinweise auf eventuellen Schneebruch, so dass jeder dort „weitgehend gefahrlos spazieren gehen kann“, wie die Stadt in ihrem Lagebericht am Mittag mitteilt. Genau hingesehen wird auch noch auf den Friedhöfen. Und genau hinsehen sollten auch Passanten: Am Vormittag gab es einen Polizeieinsatz an der Klosterstraße, wo eine Eisplatte herabzustürzen drohte. Die Gefahrenstelle wurde abgesperrt und die Stadt verständigt.

Hauptproblem für viele Privatanlieger waren am Freitag ausgerechnet die rettenden Räumdienste. Denn wo die Maschinen Straßen freischieben, sorgen sie an Bürgersteigen für schwer überwindbare Schneewälle - notgedrungen, weil es einfach zu viel davon gibt. Für Barbara Hohlweg ist das dennoch ärgerlicher Stress: „Ich bin behindert und komme über diese Wälle gar nicht hinweg.“ Nur mit Hilfe eines Taxifahrers.

Die hätten zurzeit ein Bombengeschäft, wenn sie denn mit den Touren hinterher kämen. So berichtet einer, sein Kollege habe während einer Zehn-Stunden-Schicht gezählt und sei auf 82 Anforderungen gekommen. „Aber er schafft ja nur 20 Fahrten.“ Auch wegen des oft unsicheren Fahrverhaltens mancher, die mit 20 km/h über die Straßen schlichen. Oder mit durchdrehenden Reifen vor Kreuzungen und Ampeln das Eis noch glatter polierten.

Die Restmüllabfuhr am Freitag fiel aus und kann laut Stadt nicht nachgeholt werden. Wer seinen Abfall selbst zum Baubetriebshof bringt, zahlt dafür nichts. Die Umweltbetriebe bieten alternativ an, bei der nächsten Abfuhr neben den Mülltonnen stehende Säcke mitzunehmen. Auch während der nächsten Tage könne Glätte weiterhin zu Beeinträchtigungen führen - ohne Gewähr, dass die Abfuhrwagen in jeden Winkel kommen.

Zeit müssen zurzeit wirklich alle einplanen, die auf die Straße müssen. Etwa der Mahlzeitendienst der Caritas. „Die Kollegen haben schon Schwierigkeiten und sind länger unterwegs“, sagt Mitarbeiterin Christina Ravensberg. Also fahren die Mitarbeiterinnen mit dem Essen auf Rädern früher los. Schließlich sind die 83 Mahlzeiten fürs ganze Dekanat gedacht. Da geht es auch schon mal bis Albersloh.

An seinen Grenzen ist mittlerweile Jan Willem de Sain. „Ich hab das so noch nie erlebt“, meint der Betriebsleiter des Tierfutterherstellers Rollipet. „Der Bedarf ist drei- bis viermal so hoch wie schon im letzten, schlimmen Winter.“ Inzwischen habe mancher Rohstofflieferant schon keine Ware mehr. Und selbst wenn, seien keine Lkw-Kapazitäten mehr frei. De Sains Fazit: „Die Nachfrage ist höher, als wir sie befriedigen können.“

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