1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Alptraum für Ruben (9) - 103 Tote bei Absturz in Libyen

  6. >

WN_Mobile_Home

Alptraum für Ruben (9) - 103 Tote bei Absturz in Libyen

wn

Tripolis/Kairo - Er hat als Einziger den Absturz eines Flugzeugs überlebt. Doch was zunächst wie riesiges Glück aussieht, ist letztlich ein Alptraum für den kleine Ruben aus den Niederlanden. Der neunjährige Junge verlor bei dem Unglück Vater, Mutter und einen Bruder. Beim Absturz einer Passagiermaschine auf dem Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Mittwoch 103 Menschen ums Leben gekommen. Nur der neunjährige Ruben aus dem niederländischen Tilburg überlebte die Katastrophe. Verletzt wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Am Donnerstag teilte das Auswärtige Amt mit, dass unter den Opfern auch ein Deutscher ist. Der Krisenstab der libyschen Regierung sprach von zwei Deutschen, was aber zunächst weder vom Ministerium noch von der Fluggesellschaft Afriqiyah Airways bestätigt wurde. Insgesamt waren 71 Passagiere aus den Niederlanden an Bord gewesen, die nach ihrem Urlaub in Südafrika via Libyen nach Hause zurückkehren wollten. Weshalb der Pilot der libyschen Fluggesellschaft Afriqiyah Airways die Landebahn verfehlte, ist noch unklar. „Jetzt, wo ein Expertenteam aus Holland in Libyen eingetroffen ist, wird die Untersuchung der Unfallursache mit der Auswertung von Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder beginnen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Nationalitäten einiger Passagiere seien noch nicht bekannt, erklärte er am Donnerstag. Die libysche Nachrichtenagentur JANA meldete in der Nacht, Transportminister Mohammed Seidan habe Ruben, den einzigen Überlebenden des Absturzes im Al-Chadra-Krankenhaus in Tripolis besucht. „Sein Zustand ist stabil“, sagte der behandelnde Arzt. Der niederländische Junge musste nach Angaben der Ärzte wegen vier Knochenbrüchen an den Beinen operiert werden. Laut Medienberichten, reisten eine Tante und ein Onkel nach Libyen, um dem Waisenkind beizustehen. Sah man den Helfern zu, die am Mittwoch im Sand zwischen verbogenen grünen Sitzen, verstreuter Kleidung und winzigen Metallteilen nach den sterblichen Überresten der Opfer suchten, fiel es schwer zu glauben, dass überhaupt jemand dieses Unglück überleben konnte. Zwischen den Trümmern ragte nur das das bunt lackierte Seitenleitwerk der Maschine in die Luft. Das aus Johannesburg kommende Flugzeug war während des Landeanfluges auf ein leeres Gelände gestürzt. Nach offiziell noch nicht bestätigten Angaben soll die Maschine vom Typ Airbus A330-200 kurz vor der Landebahn den Boden berührt haben. Anschließend sei sei ins Schleudern geraten und dann rund 500 Meter weiter zerborsten. Auf Fernsehbildern von der weiträumig abgesperrten Unglücksstelle war auch ein ausgebranntes Auto zu sehen. Die libyschen Behörden schlossen einen Terroranschlag aus. Nach Informationen der niederländischen Behörden, südafrikanischer Medien und der Fluggesellschaft sind unter den Toten 71 Holländer, zehn Südafrikaner, eine Französin, jeweils zwei Passagiere aus Österreich und Großbritannien sowie je ein Passagier aus Simbabwe und den Philippinen. Bei den 13 getöteten Libyern handelt es sich um drei Piloten, acht Flugbegleiter und zwei Sicherheitskräfte.

Startseite