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Duo soll Dülmener ermordet haben

Als Killer im Telefonbuch geführt 

wn

Münster/Hiddingsel. Mit weißem Hemd, beiger Tuchhose und mit kurz-geschnittenem Haar erschien der 34-jährige Hiddingseler am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Münster. Sein mitangeklagter Bekannter (26), ein bulliger Typ mit Glatze, kam mit einem schwarzen T-Shirt, blauer Jeans mit Flügel-Aufdrucken in den Gerichtssaal. Beiden Männern wird vorgeworfen, am 1. Februar gemeinschaftlich den 74-jährigen ehemaligen Schulleiter der Privaten Gymnasien Schloss Buldern, Arno Kupka, heimtückisch und aus Habgier getötet zu haben.

Der 26-Jährige schwieg zum Auftakt zu den Tatvorwürfen. Der 34-jährige Familienvater hingegen sagte aus, gab aber an, nichts mit der Sache zu tun zu haben. Er bestritt jegliche Tatbeteiligung. Vielmehr stellte er den Mitangeklagten als Kriminellen dar, der Drogen ins Haus geschafft habe. Ein Freund habe ihm den 26-Jährigen als Subunternehmer empfohlen. Der Bekannte wohnte knapp über einem Monat in dem Haus in Hiddingsel, nahm am Familienleben teil.

Der 34-Jährige will zu seinem Vermieter, dem späteren Opfer Arno Kupka, ein gutes Verhältnis gehabt haben. „Es hat immer mal Ärger gegeben, weil ein Holzstapel an einer falschen Stelle war, oder ein Blumen- statt ein Kiesbeet angelegt worden ist. Aber das waren Sachen, die mit einem Gespräch aus der Welt geschafft wurden.“

Daher sei der Vorwurf, der Vermieter sollte aus dem Weg geräumt werden, weil es nur Ärger gab und dieser sein Haus nach dem vierjährigen Mietverhältnis nicht an den 34-Jährigen verkaufen wollte, schlichtweg falsch.

Den 1. Februar schilderte der Hiddingseler gestern „als einen ganz normalen Tag.“ Er habe sich um seine Kinder gekümmert. Mittags habe er sich den Wagenheber von seinem Schwiegervater geliehen. Mit dieser Stange soll Kupka laut Anklageschrift so massiv vom 34-Jährigen vor den Kopf geschlagen worden sein, dass der 74-Jährige einem Schädel-Hirn-Trauma erlag.

Gegen Abend seien beide Angeklagten nach Polen aufgebrochen, um einen Cousin abzuholen. Am Ortsrand von Dülmen habe der 26-Jährige gebeten, anzuhalten, um ein Auto zu klauen, dass in Polen verkauft werden soll. Dieses sei das Auto von Kupka gewesen. „Das habe ich aber erst später bemerkt“, so der 34-Jährige, der die Telefonnummer des 26-Jährigen im Adressbuch seines Handys unter dem Eintrag „Killer“ führte. Es sei auch richtig, dass die beiden Angeklagten auf dem Rastplatz an der A 2 bei Bad Eilsen eine Pause gemacht hätten. Dort waren Papiere und das Portmonnee von Kupka gefunden worden. „Wie die Ausweise dort hingekommen sind, weiß ich nicht.“

Der Prozess wird am Mittwoch mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt.

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