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Alte Feinde

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Die Geschichte der UNO lebt auch von Geschichten um schillernde Staatsmänner. Nikita Chruschtschow schlug 1960 mit seinem Schuh auf den Tisch. Und Jassir Arafat zog 1974 mit Pistolenhalfter ans Rednerpult.

Dagegen entpuppten sich nun die Auftritte des Libyers Gaddafi und des Iraners Ahmadinedschad als üble Provokation und gar als abstoßender Horror. Der Eklat war programmiert - das Spektakel überaus beschämend. Der Wüstenschreck und die Mullah-Marionette aus Teheran haben die Bühne der Welt in New York schändlich missbraucht, um das jeweils eigene politisch anrüchige Süppchen zu kochen.

Am Endes des Tages bleiben nicht nur eine zerrissene Charta und die Hetztiraden gegen Israel. Unterm Strich ist damit eine wertvolle Chance vertan: Nie war die Zeit für Libyen und den Iran so günstig, dieses Forum zu einem entscheidenden Schritt aus der politischen Isolation zu nutzen. Denn die UNO gewinnt - wenn auch langsam - wieder an Boden, weil US-Präsident Obama die Vereinten Nationen nicht länger ignorieren will. George W. Bush hatte die Organisation acht Jahre lang förmlich am ausgestreckten Arm „aushungern“ lassen.

Reform und Finanzen der UN stehen auf der Agenda ganz oben. Stattdessen pflegen Diktatoren wie Gaddafi und Ahmadine­dschad alte Feindschaften und ihren persönlichen Hang zur Selbstdarstellung.

Was Teheran angeht, zeigt sich, dass es keine Vertrauensbasis gibt, die Hoffnung auf ein Ende des Atomstreits machen.

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