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Altenberge: Drama einer Abschiebung

Altenberge. Als die Polizei und Mitarbeiter der Steinfurter Kreisverwaltung gestern an der Lindenstraße 19 b in Altenberge anrückten, da war Binak Jahja mit seiner Frau Luljeta und seinen beiden Töchtern Kadijre (28) und Florenta (17) längst...

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Altenberge. Als die Polizei und Mitarbeiter der Steinfurter Kreisverwaltung am Dienstag an der Lindenstraße 19 b in Altenberge anrückten, da war Binak Jahja mit seiner Frau Luljeta und seinen beiden Töchtern Kadijre (28) und Florenta (17) längst untergetaucht. Jetzt werden sie polizeilich gesucht, sie sollen abgeschoben werden.

Eigentlich sollte sie der Flieger nach Belgrad bringen, von dort sollte es nach Novi Sad gehen. „Das ist in Serbien, die Familie kommt aus dem Kosovo“, sagt Monika Naeve. Die Altenbergerin kennt die Familie seit 17 Jahren, Tochter Florenta ist in Deutschland geboren. „Sie sind strafrechtlich nie in Erscheinung getreten“, versichert sie. Als die Nachricht der drohenden Abschiebung am Montag gekommen sei, hätten die Söhne der Familie „so geweint, wie ich Männer noch nie habe weinen sehen“, sagt Naeve.

Fidan und Shaban Jahja sind selbst nicht betroffen. Ihre Ehefrauen haben jeweils eine Aufenthaltserlaubnis, die jungen Männer sind zudem berufstätig. „Die Mutter ist schwer krank“, sagt Naeve.

Das bestätigt auch deren Hausärztin Lisa Degener: „Ich kann mir nicht vorstellten, dass die medizinische Versorgung für Frau Jahja in Serbien gegeben ist“, erklärte sie gestern. Die an Diabetes erkrankte Frau brauche täglich bis zu acht Medikamente und müsse regelmäßig eine Spezialpraxis aufsuchen. „Ich habe mehrfach attestiert, dass die Frau sehr krank ist“, so die Ärztin. Die 17-jährige Tochter sei außerdem schwer traumatisiert. Nachdem die Familie bereits einmal abgeschoben worden sei, habe die 17-Jährige erleben müssen, wie man ihren Vater im Kosovo misshandelt habe. „Die Abschiebung kann man medizinisch nicht verantworten“, sagt die Ärztin.

Rechts- und Ordnungsdezernent Dr. Martin Sommer vom Kreis Steinfurt kann die Betroffenheit der Nachbarn verstehen. Allerdings sei die Familie bereits zwei Mal abgeschoben worden und immer wieder zurückgekehrt. Sämtliche Asylanträge seien abgelehnt worden, alle rechtlichen Mittel von der Familie ausgeschöpft worden. Am 11. August habe es mit der Familie ein Gespräch gegeben, dort habe man sie aufgefordert, freiwillig auszureisen. Dies sei nicht geschehen. Zu einer amtsärztlichen Untersuchung sei Frau Jahja zudem nicht erschienen. „Wir hatten heute Morgen einen Arzt dabei und hätten die Frau untersucht“, so Sommer. Die Entscheidung für die Abschiebung liege zudem nicht beim Kreis Steinfurt. „Dafür ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig“, sagt Sommer.

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