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Filmrezensionen

Am Ende der Worte angekommen

Hans Gerhold

Archäologiedozent Isa (Nuri Bilge Ceylan) und seine jüngere Ehefrau, Szenenbildnerin Bahar (Ebru Ceylan), haben sich im Sommerurlaub in Kas nichts mehr zu sagen. Eine alte Affäre Isas lastet auf dem Paar, vor Freunden herrscht Schweigen.

In ihrer Verzweiflung provoziert Bahar einen Unfall mit dem Motorroller. Man beschließt eine zeitweilige Trennung. Zurück in Istanbul. nimmt Isa die auf Sex reduzierte Affäre mit Ex-Freundin Serap (Nazan Kesal) wieder auf. Einem Impuls folgend, reist er später Bahar hinterher, die für Filmaufnahmen mit der TV-Crew nach Ostanatolien geflogen ist.

Regisseur Nuri Bilge Ceylan spielt mit seiner bildschönen Ehefrau das Paar, das wie Marcello Mastroianni und Jeanne Moreau in Michelangelo Antonionis „La Notte“ (1961) am Ende der Worte angekommen ist. Isa ist unfähig, sich zu entscheiden, will es auch nicht, und wird von der Geliebten geduldet, nicht akzeptiert. Bahar hingegen vermittelt Gefühle und den Schmerz des Scheiterns, ob in der Wiedergabe eines Traums oder mit sprechenden Blicken.

Der Vergleich mit dem im Vorjahr gestorbenen Michelangelo Antonioni stimmt auch auf der Bildebene. Die Trennungsgeschichte läuft in überwältigenden Bildkompositionen ab, sind filmische Gemälde. In Cannes gab es 2006 den Preis der Kritik. In Istanbul und Antalaya wurde „Iklimler“ als bester türkischer Filmausgezeichnet. - Start einer kleinen Reihe mit türkischen Filmen.

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