1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Angela Merkel zu Besuch im Münsterland: Präzise und geradlinig

  6. >

Homepage Thema 5

Angela Merkel zu Besuch im Münsterland: Präzise und geradlinig

unserem Redaktionsmitglied Dorle Neumann

Greven/Münster - Das Erfolgsrezept von Angela Merkel ist offensichtlich und einfach: Geradlinigkeit und Verlässlichkeit. Die Optik unterstreicht es: schnörkelloses helles Leinenjackett, schwarze Hose. Zwei Reden hält sie am Donnerstag im Münsterland - beide im vorgegebenen Zeitlimit, beide präzise auf den Anlass abgestimmt und klar in der Aussage.

Als sie kurz nach 13 Uhr zum ersten Termin beim Logistik-Riesen Fiege am Grevener Flughafen eintrifft, stellt sie sich mit der Firmenspitze kurz den Fotografen, entlässt die klickenden Kameras mit einem freundlichen „okay, das reicht“.

Nach dem Hintergrundgespräch im Fiege-Tower, bei dem es um die Sorgen und Wünsche familiengeführter Mittelstandsunternehmen geht, lässt sie sich in drei Pavillons zeigen, was alles zu den Aufgaben der Firmengruppe gehört. Beim Anbringen von Sicherheitsknöpfen greift sie sofort mit zu, ist ebenso wie beim Packen eines Werkzeugkoffers oder dem Einscannen eines Reifens aufmerksam, freundlich, fragt nach. Dem Auszubildenden Thomas Mendritzki gibt sie noch ein „und weiter schön lernen“ mit, bevor sie zum Fototermin mit anderen Azubis und zu ihrer kurzen Rede über die Bedeutung des Mittelstands weitergeht. Zeitdisziplin ist unabdingbar für sie - schließlich ist Greven bereits der dritte Termin an diesem Tag, drei weitere warten noch.

Ab und zu erlaubt sie sich aber auch ein persönliches Wort: Als sie sich bei den fleißigen Helfern und Organisatoren des Besuchs bedankt, meint sie schmunzelnd: „Es ist ja doch immer ein ziemliches Chaos, wenn die Bundeskanzlerin kommt . . .“ Sprichts, winkt, und ab geht es zum Helikopter, der sie ins Rheinland fliegt.

Münster, Domplatz, 17 Uhr: Angela Merkel ist wieder in Westfalen, jetzt aber als wahlkämpfende CDU-Chefin. Entspannt steht sie mitten in der christdemokratischen Männerriege auf dem Podium, quittiert Applaus während der Begrüßung durch den CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Markus Lewe mit einem Lächeln und Kopfnicken. Als sie ans Mi­krofon geht, bedankt sie sich für den herzlichen Empfang - und kommt sofort bundespolitisch zur Sache: Die Wahl am 27. September sei eine wichtige Weichenstellung in einer schwierigen Zeit, sie streift Wirtschafts- und Finanzpolitik, unterstreicht die Bedeutung der Bildungs-, Integrations- und Familienpolitik. Zwischendurch erinnert sie an die Öffnung des Grenzzauns in Ungarn vor 20 Jahren. Am Tag vorher hatte sie sich dort mit dem Grenzsoldaten unterhalten, der damals nicht eingriff, als DDR-Bürger durch den Zaun schlüpften: „Geschichte wird immer von einzelnen Menschen gemacht.“

Ihre feste Überzeugung: „Wir können keine linken Experimente gebrauchen.“ Und sie macht dem Publikum ihr Engagement für eine flexiblere Kinderbetreuung schmackhaft: „Warum sollen die Väter erst mitkriegen, wie schön es mit kleinen Kindern ist, wenn sie Enkel haben?“

Am Ende schlägt sie den Bogen zurück, wirbt für Lewe und die CDU-Bundestagskandidaten aus der Region. Die 30 Minuten sind um. Auch hier zeigt Merkel Disziplin - selbst wenn sie sich ganz rasch einmal über die Stirn wischt und so verrät, dass der Stress am heißesten Tag des Jahres nicht spurlos an ihr vorübergeht. Ein Foto mit den CDU-Mitstreitern, die Nationalhymne wird gesungen - dann geht es in der gepanzerten Limousine zurück zum Helikopter.

Startseite