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Angriff auf den Thron

Wilfried Sprenger

Suhl/Münster. Wolfgang Wehner, CDU-Abgeordneter im thüringischen Landtag, ist ein Anhänger klarer Worte – auch in seiner Funktion als Präsident des VfB Suhl. Als der Volleyball-Bundesligist vor einigen Wochen sein Saisonvorbereitungsprogramm vorstellte, ergriff der 48-Jährige flugs Gelegenheit, um sich zum Ziel zu äußern. Der Politiker machte nicht viele Worte, aber die waren inhaltsschwer. „Der VfB soll Meister werden“, sagte Wehner angriffslustig.

Es gibt gewiss eine ganze Reihe von Trainern, die angesichts der vollmundigen Aussage des Klubchefs direkt zusammengezuckt wären. Michael Schöps zählt nicht dazu. 20 Jahre Bundesliga haben den 51-Jährigen gestählt. Suhl ist seine achte Station im Oberhaus. Zuvor arbeitete er in Vechta, Tübingen, Stuttgart, Schwerte, Schwerin, Vilsbiburg und Hamburg. Seine erfolgreichsten Jahre hatte er in Schwerin; dreimal wurde er mit dem SSC Deutscher Meister.

Die neue Tätigkeit in Thüringen trat der Familienvater im Sommer an. Zuvor war er zwei Spielzeiten lang Co-Trainer beim Ligakonkurrenten NA. Hamburg. Es sei Zeit gewesen, „mal wieder Chef zu werden, sonst werde ich auf dem Markt nicht mehr wahrgenommen“, sagte Schöps dem „volleyball magazin“.

In Suhl löste Schöps Han Abbing ab. Der Niederländer hatte den VfB, der erst seit 2003 erstklassig ist, in der Bundesligaspitze etabliert und seine Arbeit mit dem Pokalsieg im März gekrönt. In der Meisterschaft belegte Suhl zuletzt die Plätze fünf, drei und vier. Nun fühlen sich die Thüringerinnen reif für den Angriff auf den Thron. Sagt zumindest Präsident Wehner. Schöps widerspricht nicht. Gibt aber den Hinweis, dass andere Teams den gleichen Anspruch haben. Und dass nur der Meister wird, bei dem „wirklich alles passt. Du musst ein super Jahr erwischen und die Konkurrenz ein paar Schwächen zeigen.“

So intensiv wie noch nie in der Bundesliga bereitete sich der VfB auf die neue Spielzeit vor. Wettkampfpraxis sammelte die Mannschaft zuletzt bei einem Turnier im sächsischen Lichtenstein. Dort ging zwar die Begegnung mit Meister Vilsbiburg 1:3 verloren, doch nach Schwerin (3:0) wurde auch der italienische Erstligist Arsizio (3:2) besiegt. „Das war stark. Wenn wir diese Leistung auch in der Liga zeigen, ist mir nicht bange“, erklärte Schöps.

Vier Spielerinnen haben Suhl im Sommer verlassen. Besonders schwer wiegt der Verlust von Magdalena Sadowska. Die Polin hatte als Angreiferin außergewöhnliche Qualitäten. In der Breite sieht Schöps das Team etwas besser aufgestellt als im Vorjahr. Neben der Amerikanerin Alesha Deesing und Paulina Gomulka aus Polen fanden Dominice Steffen und Birgit Thumm den Weg in den Osten Deutschlands. Beide zählen zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Im Auftaktspiel gegen den USC Münster am Samstag erwartet Schöps von den Seinen eine gute Leistung. „Und natürlich einen Sieg“. Es wäre ein erster Schritt auf dem langen und beschwerlichen Weg zum vom Präsidenten forsch formulierten Ziel.

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