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Ängste, Phobien, Panikattacken

Martina Döbbe

Münster. Der erste Schritt ist oft der schwerste. Aber: „Wer ihn schafft, der hat eine gute Chance, seine Erkrankung in den Griff zu bekommen“, betont Prof. Dr. Volker Arolt. Ängste, Phobien, Panikattacken – sie machen vielen Menschen den Alltag zur Qual. Aber: Schamgefühle hemmen Betroffene, über ihre Probleme zu reden.

„Einen Nervenarzt zu konsultieren ist für viele der Gang zum ’Irrenarzt’, der in Räumen mit vergitterten Fenstern und Zwangsjacke lauert“, bedauerte der Direktor der Universitäts-Klinik für Psychiatrie weit verbreitete Vorurteile. In der Abendvisite erläuterte er die Auswirkungen von Angsterkrankungen und die „guten Behandlungsmöglichkeiten“.

Klar ist: „Es gibt viele Gründe, Angst zu haben“, bekräftigte Prof. Arolt. Dabei sei Angst zunächst als Alarmsignal zu verstehen: „Sie hilft, Gefahren zu erkennen und entsprechend zu handeln.“ Anders sei es, wenn Ängste von einem Menschen Besitz ergreifen, sein Leben nachhaltig negativ beeinflussen. Angst vor großen Menschenansammlungen oder in geschlossenen Räumen, Angst beim Reden vor einer Gruppe, Angst vor Ärzten und Spritzen, vor Tieren, beim Fliegen – die Kette von Beispielen sei unendlich, berichtete Arolt.

Nun sei es aber so, dass je nach persönlicher Situation die Einschränkungen auch unterschiedlich seien: „Man kann sich ja durchschummeln und das Leben einfach machen. Muss ich fliegen? Muss ich auf den Fernsehturm steigen? Muss ich eine Rede halten?“ Zum Problem würden Ängste dann, wenn sich konkrete Situationen nicht mehr umgehen lassen. Dazu kommen in vielen Fällen körperliche Beschwerden: Schlafstörungen, Atemnot, Hitzeattacken, Erstickungsgefühle, Zittern und Beben, Schwindelgefühle.

Andere Menschen leiden unter Ängsten, die sie gar nicht genau benennen können: „Sie wissen nicht, wovor sie Angst haben, sind innerlich angespannt, unruhig, sorgen sich um alles“, nannte der Fachmediziner ein weiteres Beispiel.

Betroffene, aber auch ihre Partner und Familien, sollten sich eins klar machen: „Angsterkrankungen sind kein Grund, sich zu schämen. Jeder kann im Laufe seines Lebens damit konfrontiert werden“, ermutigte Arolt dazu, offen mit den Problemen umzugehen und Hilfe anzunehmen. „Wer den Angstkreis durchbricht, der gewinnt neue Lebensqualität zurück.“ Um eine erfolgreiche Therapie beginnen zu können, müsse zunächst eine exakte Diagnose gestellt werden. Die Kombination von Verhaltenstherapie und Medikamenten führe in vielen Fällen auf einen guten Weg: „Aber Finger weg von Beruhigungsmitteln und Alkohol“, warnte Arolt. Beides biete keine Lösung – im Gegenteil: „Beides führt auf Dauer zur Abhängigkeit.“ Oberstes Prinzip sei, sich selbst zu ermutigen: „Die Angst kann mir nichts tun.“

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