1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Anonyme Liebesbriefe

  6. >

Archiv

Anonyme Liebesbriefe

Hans Gerhold

Ein falscher Liebesbrief hat in Filmen wie „Cyrano de Bergerac“ oder „Postmann“ zu den unerwartetsten Gefühlsverwirrungen und Verwechslungen geführt. In der amüsanten Komödie „Bezaubernde Lügen“ will die bienenfleißige Friseurin Emilie (Audrey Tautou) ihre frustrierte Mutter Maddie (Nathalie Baye) mit der anonymen Botschaft aufrichten, die eigentlich an sie gerichtet war.

Bald verliert Emilie die Kontrolle über ihre Manipulationen. Anfangs will sie den Brief wegwerfen, doch dann tippt sie den handgeschriebenen poetischen Text ab und leitet ihn an ihre Mutter weiter. Die, noch traurig, dass ihr Mann sie vor Jahren verließ, fährt voll auf die Zeilen ab, will den fremden Schreiber unbedingt kennenlernen. Der ist niemand anders als Emilies Faktotum Jean (Sami Bouajila), der im Betrieb Handwerksarbeiten verrichtet und zu schüchtern ist, Emilie seine Liebe zu gestehen. Ausgerechnet er soll den Verehrer der Mutter mimen . . .

Filme wie die in der Provinz angesiedelte romantische Sommerkomödie gehören in Frankreich mit ihrer Mischung aus Alltagsdialogen, Charme und Witz zu den Routinewerken, die die Produktion aufrecht erhalten, ohne künstlerisches Neuland betreten zu wollen. Das ist ein Terrain, auf dem sich Audrey Tautou gern tummelt, die sich seit „Amélie“ und „Mathilde“ im Gegensatz zu Marion Cotillard, Cécile de France oder Ludivine Sagnier nicht wirklich weiterentwickelt hat und hier mehr zickig als überzeugend ist.

Insofern spielt sie nur die zweite Geige, denn der Film gehört zum einen der Mutter, die von Nathalie Baye als nicht mehr ganz taufrische, aber liebeswillige Verführerin gespielt wird. Zum anderen beweist Charakterdarsteller Sami Bouajila (gerade im Thriller „Outside the Law“ auf DVD) urkomisches Talent als Ghostwriter ohne Wissen. Nett.

Startseite