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Area4: Kräftiger Abgang

Lüdinghausen - Eine Festival-Nachlese ist ein bisschen wie eine Weinlese. Eine Bestandsaufnahme. Wie hochwertig sind die Inhalte? Reicht es zu einem Prädikat? Ist es ein guter Jahrgang? Das Anbaugebiet ist der Flugplatz Borkenberge bei Lüdinghausen...

Carsten Vogel

Lüdinghausen - Eine Festival-Nachlese ist ein bisschen wie eine Weinlese. Eine Bestandsaufnahme. Wie hochwertig sind die Inhalte? Reicht es zu einem Prädikat? Ist es ein guter Jahrgang? Das Anbaugebiet ist der Flugplatz Borkenberge bei Lüdinghausen. In diesem Jahr hat sich eine Rekordzahl an Festival-Besuchern dort eingefunden. 21 000 sind gekommen. Das Areal könnte aber noch mehr fassen.

Das Area4-Festival ist eher eine Spätlese. Der Konzertsommer ist fast vorbei. Am Ende der Saison sind die Bands eingespielt, denn in der Regel haben sie schon das eine oder andere Konzert gegeben: Einige der Acts, die auf dem Area4 auftreten, waren auch schon auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel. Oder auf dem Schwesterfestival in Neuhausen ob Eck.

Ein gutes Sortiment haben die Veranstalter in diesem Jahr zusammengestellt. Als Aperitif gibt es täglich kleinere Bands wie Revolving Door und Turbostaat, die noch reifen dürfen, aber schon ihren eigenen Charakter versprühen. Abends gibt es dann die kräftigen Vertreter ihres Genres. Während am Freitag die kalifornische Punkband The Offspring trocken ihr Set herunterspielt, beweisen die Toten Hosen ihr ganzes Potenzial.

„Steht ihr wieder auf euren Füßen?“, fragt Sänger Campino in die Menschenmenge, die vor der Bühne drängelt, drückt und schiebt. Mitten im Lied bricht Campino ab, um die Fans in den ersten Reihen zu beschwichtigen und zu beruhigen. Später wirbt er dafür, in Dortmund an der Demonstration gegen Nazis teilzunehmen. Die Hosen beweisen gute Alterungsfähigkeit. Die Düsseldorfer spielen sowohl ihre langlebigen Hits als auch Songs des letzten Albums. Die Klassenbesten des diesjährigen Festivals.

Die amerikanischen Rocker Eagles of Death Metal sind die Geheimwaffe am Samstag. Nicht minder politisch als die Toten Hosen sind die Hardcore-Punker Rise Against, die in Illinois angebaut werden. Die Band setzt sich insbesondere für Tierrechte ein. Ihre Musik verlangt vollsten Körpereinsatz.

Am Sonntagmittag zerstreuen Panteón Rococó alle Gerüchte, mexikanischer Ska munde nicht. Ihre Show ist feurig und würzig, spritzig und lebhaft. Zum Abschluss der drei Tage sind Faith No More angekündigt. Elf Jahre lang blieben die Live-Qualitäten der Band um Sänger Mike Patton verschlossen. Doch nach der Trennung 1998 zieht es sie noch einmal auf Tournee.

Letztlich aber zählt bei Freunden von Festivals und bei Liebhabern von Weinen einzig der Geschmack. Und wenn die Fans des Area4 nicht lieber Bier trinken würden, dann hätten sie mehr als nur eine Flasche Area4 2009 gekauft. Ein Prädikatsjahrgang.

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