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Verwaltungsgericht Münster

Arzt spritzt tödliche Dosis Heroin - Geldbuße für Mediziner aus Witten

Münster/Witten. 7000 Euro Geldbuße muss ein 68-jähriger Arzt aus Witten bezahlen. Das Berufsgericht für Heilberufe beim Verwaltungsgericht Münster hat dem Mann einen Verweis erteilt. Ihm wurde vorgeworfen, während eines ärztlichen Wochenenddienstes in England im Februar 2008 bei der Behandlung von drei Patienten im Rahmen von Hausbesuchen in eklatanter Weise medizinische...

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Münster - 7000 Euro Geldbuße muss ein 68-jähriger Arzt aus Witten bezahlen. Das Berufsgericht für Heilberufe beim Verwaltungsgericht Münster hat dem Mann einen Verweis erteilt. Ihm wurde vorgeworfen, bei einem ärztlichen Wochenenddienst in England im Februar 2008 bei der Behandlung von drei Patienten im Rahmen von Hausbesuchen in eklatanter Weise medizinische Standards missachtet zu haben. So habe der Arzt einem Patienten 100 Milligramm Diamorphin (Heroin) verabreicht und damit den Tod verursacht. Bei zwei Patientinnen habe er die gebotene stationäre Einweisung unterlassen. Der Mann war bereits 2009 wegen fahrlässiger Tötung zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, die auf Bewährung ausgesetzt wurden. Nunmehr entschied das Berufsgericht, dass der beschuldigte Arzt in allen drei ihm zur Last gelegten Fällen gegen die Pflicht zur gewissenhaften Berufsausübung verstoßen habe. Zur Begründung des Beschlusses führten die Richter unter anderem aus: Der Beschuldigte habe bei seinem Wochenendeinsatz mehrfach gegen elementare ärztliche Grundsätze verstoßen und dabei den Tod eines Patienten fahrlässig verursacht. Unvertretbar sei gewesen, dass der Beschuldigte dem Patienten ohne Durchführung weiterer Untersuchungen das ihm in der Wirkungsweise und der Dosierung nicht im Einzelnen bekannte Morphinpräparat Diamorphin injiziert habe. Auch bei den anderen beiden Fällen habe der Beschuldigte grobe Behandlungsfehler begangen, indem er lediglich die bei den Patientinnen vorhandenen Symptome zu behandeln versucht habe, ohne hierbei die Symptome als Ausdruck einer schwerwiegenden Erkrankung zu sehen, die unter Berücksichtigung der konkreten Umstände jeweils einer stationären Einweisung bedurft hätte. Entlastend komme dem Beschuldigten zugute, dass er in fast 30 Jahren ärztlicher Tätigkeit bislang berufsrechtlich nicht in Erscheinung getreten sei. Er habe den tödlichen Behandlungsfehler, der eindeutig das Schwergewicht des Berufsvergehens bilde, in vollem Umfang eingeräumt und den aufrichtigen Versuch unternommen, sich bei den Hinterbliebenen für sein fahrlässiges Fehlverhalten zu entschuldigen. Die Häufung der Behandlungsfehler deute darauf hin, dass der Beschuldigte mit seinem Wochenenddienst in Großbritannien offenkundig überfordert gewesen sei. Hinzu komme, dass die fahrlässige Überdosierung des in Deutschland als Schmerzmittel nicht zugelassenen Diamorphin dadurch begünstigt worden sei, dass sich in dem dem Beschuldigten zur Verfügung gestellten Arzneikoffer eine Ampulle mit der in jedem Fall tödlichen Dosis Diamorphin befunden habe. Da er nicht vorsätzlich gehandelt habe und keine grundsätzliche Fehleinstellung zum ärztlichen Berufsethos erkennbar sei, sei ein Verweis die schuldangemessene Reaktion.

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