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Attacke der Schleck-Brüder

Le Grand-Bornand - Als hätte Linus Gerdemann den Moment abgepasst, respektvoll ließ er Nicolas Sarkozy den Vortritt. Das war aber nicht die ganze Wahrheit. Erst als der französische Präsident ein kurzes Bad in der Menge genossen...

Alexander Heflik

Le Grand-Bornand - Als hätte Linus Gerdemann den Moment abgepasst, respektvoll ließ er Nicolas Sarkozy den Vortritt. Das war aber nicht die ganze Wahrheit. Erst als der französische Präsident ein kurzes Bad in der Menge genossen, viele Hände geschüttelt hatte und in der Sicherheits-Limousine davonrauschte, beendete der 26 Jahre alte Kapitän von Team Milram sein Tagwerk auf der Route de l´Envers in Le Grand-Bornand mit ausgezehrten Gesichtszügen. Denn nur zu gerne hätte er Sarkozys Ablaufplan durcheinander gebracht, wäre früher an genau der gleichen Stelle gewesen.

Am liebsten mit Tagessieger Franck Schleck, der zeitgleich mit dem Mann im Gelben Trikot, Alberto Contador, und Bruder Andy diese 17. Etappe dominierte. Gerdemann hatte Verspätung, 17:33 Minuten hinter dem Sieger erreichte er lediglich als 56. den Wintersportort in den Savoyer Alpen. Sein Fazit: „Es war ein Kampf gegen Windmühlen, aber ich wollte ein Zeichen setzen. Unsere Gruppe hat nicht gut funktioniert, deshalb wuchs unser Vorsprung nicht entsprechend.“

Geschichte wiederholt sich also nicht. Der Münsteraner wollte das widerlegen, aber die Erinnerung an den 14. Juli 2007 lebte nur bis Kilometer 130 der 169,5 km langen Etappe. Damals hatte er früh attackiert und am Ende eine Soloflucht siegreich und im Gelben Trikot beendet. Gestern war er Mitglied einer 20-köpfigen Spitzengruppe, die aber in den letzten beiden Anstiegen von den Protagonisten im Gerangel um das Gelbe Trikot zerfleddert wurde.

„Das war toll, sehr gut für Contador, die Schlecks waren stark, aber auch Armstrong hat sich von einer guten Seite gezeigt“, unterstrich Frankreichs erster Mann Gespür für eine sportliche Analyse. Und, so Sarkozy weiter: „Ich registriere das Bemühen um einen sauberen Sport. Diese Anstrengungen sind wichtig.“ Ein Urteil, dass der Kampf gegen Doping gewonnen ist, war das natürlich nicht.

Die luxemburgischen Schleck-Brüder waren es, die es wagten, Spitzenreiter Contador zu attackieren. Am Ende kam keiner mehr mit. Von Klöden, über Wiggins bis hin zu Armstrong - alle kassierten mehr als zwei Minuten vor dem heutigen Zeitfahren in Annecy (40 km). Alberto Contador ist das Maillot Jaune nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu nehmen. Aber der zweitplatzierte Andy Schleck fügte an: „Alberto ist ein großer Champion, aber auch er kann Fehler machen. Wir werden dann da sein, ansonsten sollten wir aufhören.“

Auch die täglich Astanamania, wie sie die Neue Züricher Zeitung tagtäglich in einer Kolumne beschreibt, ging weiter. Manche nennen es wahlweise auch Armstrongphobie. Sportchef Johan Bruynell, quittiert seinen Job. Astana, plant die Rückkehr von Alexander Winokurow nach zweijähriger Dopingsperre.

Armstrong wird heute verkünden, dass sein zukünftiges Team von Nike und dem Computerunternehmen Oracle finanziert wird. „Ich werde stärker sein als in diesem Jahr. Und ich werde nur mit Johan Bruynell zusammenarbeiten“, lautete das Manifest des bald 38-Jährigen Texaners.

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