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Auf dem richtigen Weg

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Was ist die richtige Krisen-Strategie? Steuersenkungen, um den Bürgern das letzte Wort dabei zu überlassen, in welchen Bereichen sie durch ihre Käufe die Konjunktur ankurbeln? Staatlich verordnete Hilfspakete in Milliardenhöhe für bestimmte Branchen oder in Not geratene Großkonzerne wie die drei großen US-Autobauer oder Opel in Deutschland? Oder eine Kombination beider Optionen?

Auch Amerikas neu gewählter Präsident Barack Obama glaubt, dass man vom Grundsatz her vor allem den Politikern vertrauen sollte, was die Wiederbelebung der Wirtschaft angeht. 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze hofft er bei Amtsantritt innerhalb von nur zwei Jahren durch ein massives Investitionsprogramm in die Infrastruktur des Landes zu schaffen.

Obama will dabei auch den Kampf gegen die globale Erwärmung mit dem Kampf gegen die Rezession kombinieren – ein lobenswertes Ansinnen.

Ob es ihm gelingt, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, steht in den Sternen. Doch immerhin befindet er sich mit seinem Grundgedanken auf dem richtigen Weg. Und der lautet: In wirtschaftlichen Krisenzeiten darf die Schuldenpolitik des Staates nicht von Sparwillen geprägt sein. Nur eine kurzfristige Erhöhung der Neuverschuldung und eine aggressive Investitionspolitik werden die Abwärtsspirale stoppen.

Sowohl in den USA wie auch in Deutschland hat man die Zeichen der Zeit erkannt und den Rotstift aus der Hand gelegt. Doch nun folgt die Feinarbeit mit allen Chancen und Risiken – wie der Frage der Priorität von Steuerentlastungen oder von spezifischen Rettungsaktionen.

Obama hat bei der Suche nach dem richtigen Weg einen großen Vorteil gegenüber den Koalitions-Spitzen in Berlin: Er hat gerade eine Wahl gewonnen – und kann damit der Versuchung widerstehen, seine Strategie wahltaktisch nach Interessengruppen auszurichten.

Friedemann DiederichsWashington

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