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Auf der Flucht: Gauner im Priestergewand wurde in Nordwalde entlarvt

Nordwalde - Er gab sich als Priester aus und stellte sich überall als „Jamie“ vor. Er stand bei der Eucharistie mit am Altar und konnte Menschen für sich gewinnen. Dabei ist er nur ein kleiner Gauner, der offensichtlich keine Lust mehr hatte auf den offenen Strafvollzug in seiner englischen Heimat. Einige Mitglieder der Nordwalder St.-Dionysius-Gemeinde sind jetzt einem...

Michael Schwakenberg

Nordwalde - Er gab sich als Priester aus und stellte sich überall als „Jamie“ vor. Er stand bei der Eucharistie mit am Altar und konnte Menschen für sich gewinnen. Dabei ist er nur ein kleiner Gauner, der offensichtlich keine Lust mehr hatte auf den offenen Strafvollzug in seiner englischen Heimat. Einige Mitglieder der Nordwalder St.-Dionysius-Gemeinde sind jetzt einem falschen Priester auf den Leim gegangen.

Alles begann im August in Taizé in Frankreich, wo Roswitha Floer bei einer Pilgertour den selbst ernannten Geistlichen kennenlernte. Der berichtete ihr, er nehme gerade eine einjährige Auszeit, ehe er Sekretär seines Bischofs würde. Die Nordwalderin bot „Jamie“ an, mit nach Nordwalde zu kommen. Dieser ließ sich nicht zweimal bitten.

In seiner neuen Übergangsheimat wirkte er als Konzelebrant bei Messen und gab Englischunterricht für Erwachsene. Routinemäßig informierte Pfarrer Bernd Strickmann das Bistum über den „Neuen“ und irgendwann wollte das Generalvikariat genauer wissen, um wen es sich denn eigentlich handelt.

Als der Schwindel aufflog und „Jamie“ zu einem Gespräch nach Münster eingeladen wurde, setzte er sich in Roswitha Floers Auto und flüchtete nach Österreich.

Ist der falsche Priester jetzt über alle Berge, so hat die Nordwal­derin inzwischen wenigstens ihr Auto zurück. Als „Jamie“ kein Spritgeld mehr hatte, parkte er den Kleinwagen in der Tiefgarage eines Hotels und gab den Schlüssel an der Rezeption ab.

Wie Roswitha Floer kann auch Pfarrer Bernd Strickmann inzwischen über die Geschichte lachen. Er zieht aber auch eine ganz persönliche Lehre aus der Nummer: „Wer sich als Priester ausgibt, genießt auch heute noch einen Vertrauensvorschuss. Wir echten Priester müssen uns dessen bewusst sein und damit verantwortungsvoll umgehen.“

James „Jamie“ Shevlin hat als falscher Priester (übrigens mit Frau und Kind) und gesuchter Betrüger vermutlich ganz andere Sorgen, als sich solche Gedanken zu machen. Die englische Polizei fahndet im Internet mit Foto nach ihm.

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