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Rot Weiss Ahlen

Auf der Suche nach dem Geldspeicher

Cedric Gebhardt

Ahlen - Wäre Ahlen doch Entenhausen und stünde irgendwo ein Geldspeicher wie der von Onkel Dagobert. Man wäre fast versucht es der Panzerknackerbande gleich zu tun und ein hübsches Sümmchen zu erbeuten.

Das braucht es auch, um Rot-Weiß Ahlen zu retten. Ein halbes Jahr lang hat Michael Mönig dies versucht. Bislang gilt: Mission fehlgeschlagen. Immerhin: Die Saison kann beendet werden. Danach aber wird der jetzige Fußball-Drittligist vermutlich in sich zusammenbrechen. Das aktuelle Personal wird sich in alle Winde verstreuen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Neuanfang in einer der unteren Klassen, womöglich der Westfalenliga oder noch tiefer - oder es geschieht doch noch ein Wunder und Onkel Dagobert oder ein anderer Mäzen öffnet freiwillig seinen Geldspeicher. 4,5 Millionen Euro braucht Rot-Weiß Ahlen, um im Falle des nicht unwahrscheinlichen Abstiegs in der Regionalliga anzutreten.

Mit 1,7 Millionen Euro steht der Verein bei seinen Gläubigern in der Kreide. 2,8 Millionen Euro sind für den Etat in der Regionalliga veranschlagt. „Doch wir sind ganz weit davon entfernt diese 2,8 Millionen zu stemmen“, merkt Aufsichtsratsmitglied Rainer Kaderka an.

Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Mönig stellte am Donnerstag bei der Mitglieder-Infoveranstaltung fragend in den Raum: „Gehört Ahlen eigentlich überhaupt in die Regionalliga oder muss man nicht ganz anders planen? Back to the roots?“ Zurück zu den Wurzeln, zu den Anfängen. Es scheint kaum eine Alternative zu geben.

Angedacht ist momentan die Saison zu Ende zu spielen und anschließend in die Planinsolvenz zu gehen, was den Zwangsabstieg um eine Liga bedeuten würde.

Mäzen Peter Evers gab immerhin noch ein Fünkchen Hoffnung. „Es wird die eine oder andere Möglichkeit geben. Man muss die Last allerdings auf viele Schultern verteilen.“ So wie es ursprünglich beim Sponsoren-Konsortium angedacht war, das sich bekanntlich als eine peinliche Posse entpuppte, das nichts als heiße Luft produzierte.

„Ich glaube, dass Heinz-Jürgen Gosda auf Baris Günes reingefallen ist. Ich hatte Hinweise, ich habe Baris Günes nie getraut“, gab Michael Mönig am Donnerstag offen zu. Er warnte daher davor, „einen großen Mülleimer über Herrn Gosda auszuschütten“.

Gleichwohl gebe es Ungereimtheiten, wie die Strafe des DFB gegen Rot-Weiß belegt. „Wir können alle von Glück reden, dass es nur drei Punkte Abzug gegeben hat. Der DFB wollte den sofortigen Ausschluss vom Spielbetrieb und eine Geldstrafe von 250 000 Euro verhängen. Die Alternative wäre ein Abzug von neun Punkten gewesen“, berichtete Insolvenzverwalter Mönig. Nur weil die jetzt handelnden Personen keine persönliche Verantwortung tragen und zur Aufklärung des Sachverhaltes beigetragen hätten, habe der DFB Gnade vor Recht ergehen lassen und sich auf den Abzug von drei Zählern beschränkt.

Vom Tisch ist die Sache damit nicht. Es wird eine juristische Aufarbeitung der Verstöße geben. Michael Mönig erwägt eine Klage gegen Heinz-Jürgen Gosda. Darüber hinaus legte Mönig auch den Finger bei anderen Bereichen in die Wunde. „Ob von Kostenseite alles richtig kalkuliert wurde, vermag ich nicht zu beantworten. Doch wenn nicht genügend Einnahmen da sind, um die Ausgaben zu decken, dann geht das nicht - das weiß jedes i-Männchen“, unterstrich der vorläufige Insolvenzverwalter. „Ich habe nie gesagt, nur einer hat Schuld. Aber ich muss mir die Frage stellen: Wen bitte ich zur Kasse? Auch ein Zahnarzt muss bei der Behandlung bis an die Wurzel gehen“, so Mönig weiter.

Er habe „wirtschaftlich aufgeräumt“ im Verein und die „Buchführung auf Vordermann gebracht“. Als er anfing, das gab Michael Mönig unumwunden zu, habe Rot-Weiß Ahlen noch 500 Euro auf dem Konto gehabt. Viel mehr werden es aktuell nicht sein.

„Wir schaffen ideelle Werte, wenn wir den Verein in seiner Gesamtheit erhalten“, philosophiert Mönig. Doch ideelle Werte allein haben Leute wie Onkel Dagobert noch nie dazu angeregt, in etwas zu investieren.

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