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Auf der Suche nach Schwarzarbeitern: der Zoll im (Dauer-)Einsatz

Paul Meyer zu Brickwedde

Münster - Es ist 9 Uhr, als auf der Ratio-Großbaustelle in der Loddenheide nichts mehr geht. Die große Halle ist menschenleer, ein Radio dudelt, ein paar Lichter brennen, die Maschinen stehen still. Draußen ist kurz zuvor der Zoll vorgefahren. 40 Leute der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) sind im Einsatz. Hier und später auf anderen Baustellen in der Stadt.

Die Arbeit der Zöllner läuft reibungslos. Ein Team sichert die Baustelle nach außen, ein Team durchkämmt das Gelände und schickt die Bauarbeiter zum Sammelpunkt im kleinen Eingangsfoyer.

Hier werden die Handwerker einer nach dem anderen kontrolliert. Sozialversicherungs- und Personalausweis sind vorzuzeigen, Angaben über Verdienst und Arbeitszeiten unter anderem zu machen. Die einen nehmen´s gelassen und freuen sich über die nicht geplante Pause, andere werden irgendwann unruhig, weil die Kontrolle für sie unbezahlte Ausfallzeit bedeutet und wieder andere freuen sich regelrecht.

„So etwas müsste es viel öfter geben, um die schwarzen Schafe zu erwischen“, meint beispielsweise ein Mann, der seit 40 Jahren in dem Gewerbe ist und an diesem Morgen, wie er sagt, erstmals den Zoll auf einer Baustelle antrifft.

Nun, der Bau, erklärt Britta Flothmann, sei eben nur eine Baustelle der FKS. Man sei praktisch im Dauereinsatz - etwa in der Gastronomie und bei Friseuren, in der Landwirtschaft und in der Reinigungsbranche. All das mit 90 Männern und Frauen, die für das ganze Münsterland zuständige seien. So sei auch zu erklären, warum die Großkontrolle gestern die erste ihrer Art in diesem Jahr in Münster war.

Nach gut eineinhalb Stunden ist der Zoll fertig. Hier fehlt ein Ausweis, dort stockt es mal bei dieser oder jene Angabe, die gesamten Informationen werden später aufgearbeitet. Auf den ersten Blick also nichts Auffälliges - bis auf den überraschenden Kurzbesuch von Bauherr Hendrik Snoek. Der begrüßt freundlich die Zollbeamten und fragt nach dem Rechten.

Bis zum Abend haben die FKSler dann sechs Baustellen in Augenschein genommen; circa 220 Bauarbeiter wurden kontrolliert. Unter anderem besteht in mehreren Fällen der Verdacht eines Verstoßes gegen die Mindestlohnvorgaben. Ein Arbeitgeber muss möglicherweise mit einem Strafverfahren rechnen, weil Sozialversicherungsbeiträge nicht ordnungsgemäß abgeführt wurden.

Bei sechs ausländischen Arbeitnehmern gab es Ungereimtheiten in Sachen Meldepflicht. Und, und, und . . . All das, so Britta Flothmann, obwohl konkrete Hinweise auf Gesetzesverstöße im Vorfeld nicht vorlagen.

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