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Auf nach Absurdistan

Das ehedem so gefeierte Einvernehmen zwischen dem afghanischen Präsidenten Karsai und dem Westen ist vorbei. Spätestens seit dem massiven Betrug bei der Wahl am 20. August. Das Ansehen des Amtsinhabers gilt international als ramponiert. Im eigenen Land beschränkt sich sein Einfluss ohnehin nur auf die Hauptstadt Kabul. Mit der Peitsche - das Zuckerbrot hat nicht gefruchtet -...

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Das ehedem so gefeierte Einvernehmen zwischen dem afghanischen Präsidenten Karsai und dem Westen ist vorbei. Spätestens seit dem massiven Betrug bei der Wahl am 20. August. Das Ansehen des Amtsinhabers gilt international als ramponiert. Im eigenen Land beschränkt sich sein Einfluss ohnehin nur auf die Hauptstadt Kabul.

Mit der Peitsche - das Zuckerbrot hat nicht gefruchtet - haben die USA den Alleinherrscher am Hindukusch in eine Stichwahl gedrängt. Am 7. November muss sich Karsai nun seinem Herausforderer Abdullah stellen. Der Präsident wittert Verschwörung. Doch selbst ihm getreue Wahlprüfer konnten am Ende nicht abstreiten, dass Karsai bei der Wahl unter den magischen 50 Prozent geblieben war. Und das trotz Manipulation.

Karsais Einlenken ist am Dienstag von der internationalen Staatengemeinde mit Erleichterung aufgenommen worden. Als sei damit die Legitimität der Regierungsbildung wiederhergestellt und der Demokratieprozess in Afghanistan zurück auf den Pfad der Tugend gebracht.

Die Wahrheit ist: Karsai hat dem Westen zwar die Hand ausgestreckt, im Gegenzug aber - wie ein orientalischer Teppichhändler - einen Stichwahltermin ausgehandelt, der seine Machtposition nicht in Gefahr bringen wird. Um den erneuten Urnengang zu organisieren, bleiben gerade einmal zweieinhalb Wochen. Und in Afghanistan steht der Winter bevor, abgelegene Provinzen werden möglicherweise keine Wahlzettel mehr bekommen. Die Beteiligung droht unter die Schmerzgrenze zu sinken. Und das nicht einmal wegen anhaltender Todesdrohungen der Taliban.

Karsai, der Hoffnungsträger des Westens, hat abgewirtschaftet. Erst die Farce durch die Wahlbetrügereien - jetzt eine zweifelhafte Stichwahl: Afghanistan ist auf dem Weg nach Absurdistan.

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