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Barack Obama und die Moschee am Ground Zero

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Lange hatte US-Präsident Obama geschwiegen - dann endlich kam am Wochenende die Wortmeldung: Das Prinzip der Religionsfreiheit gebiete es, den Bau einer Moschee in New York nahe „Ground Zero“ zuzulassen. Doch mit dieser kurzen pauschalen Feststellung verweigert Obama, wie er selbst einräumt, die Antwort auf die eigentliche Kernfrage: Muss es Religionsfreiheit um jeden Preis geben - vor allem dann, wenn das Projekt die Toleranzbereitschaft vieler Menschen und vor allem der Angehörigen der 9/11-Opfer so überstrapaziert, wie es beispielsweise die Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt getan haben?

Die Kritiker des Moscheen-Baus sehen im Standort nicht nur eine gezielte Provokation der Planer, sondern auch die von ihnen eingeforderte maximale Toleranz als Einbahnstraße - auch unter Hinweis auf die vom Papst beklagte aktive Unterdrückung anderer Religionen in vielen moslemischen Nationen.

Dass der US-Präsident der notwendigen differenzierten Diskussion dieses Themas bewusst ausweicht und sich einer konkreten Bewertung des umstrittenen Projektes entzieht, schwächt seinen Selbstanspruch als Brückenbauer, den er im Wahlkampf gebetsmüh­len­haft betont hat.

Doch vermutlich ist Obama, der seit seiner Rede von Kairo offensiv die Versöhnung mit der arabischen Welt sucht, das Eisen zu heiß. Denn viele in den USA - allen voran Menschenrechtsgruppen - sehen den Islam nicht so makellos positiv, wie ihn der Präsident zu Beginn des Ramadan jetzt darstellte: Als Religion des Friedens, der Humanität und des Respekts gegenüber Andersdenkenden.

Doch eine solche tiefergehende Debatte dürfte sich Barack Obama um jeden Preis ersparen wollen.

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