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Auswärts geht noch (viel) mehr

Stephan Esser

Mönchengladbach - Die Fohlen sind und bleiben Kult in der Fußball-Bundesliga, auch wenn die Gründe dafür über 30 Jahre zurückliegen und die Protagonisten des Fohlenbooms längst das Rentenalter erreicht haben. Von den Glanzleistungen der Netzer-Ära sind die aktuellen Borussen aktuell zwar weit entfernt, dennoch zeigte das Team in der abgelaufenen Spielzeit eine erstaunlich souveräne Vorstellung mit einem nicht minder frühen Klassenerhalt. Und so geht es weiter:

» Der unvergesslichste Moment der vergangenen Saison: Dafür sorgte Karim Haggui. Der Hannoveraner kürte das Eigentor-Festival der Gäste am 16. Spieltag beim 5:3-Erfolg der Gladbacher im Borussia-Park mit gleich zwei Selbsttoren: das 1:0 und den 5:3-Endstand der Gladbacher markierte der Tunesier, der Ivorer Constant Djakpa hatte zwischenzeitlich das 3:1 für die Gladbacher erzielt. Hannover erzielte also sechs Tore im Borussia-Park, fuhr aber trotzdem ohne Punkt nach Hause. Die Revanche folgte im Rückspiel - 6:1 für Hannover. Das 1:0 erzielte - natürlich Karim Haggui. Gladbachs größte Saison-Blamage.

» Der Satz der Saison: „Ich danke vor allen denen, die gerade gepfiffen haben“, sagte Trainer Michael Frontzeck kurz nach seinem Dienstantritt auf der Jahreshauptversammlung. „Denn es ist ein Ansporn für mich, es gerade meinen Kritikern zu zeigen.“ Der Mann hat Wort gehalten - Mission erfüllt.

» So steht es um den Trainer: Für Gladbacher Verhältnisse - zuletzt acht Trainer in sieben Jahren - hat Michael Frontzeck einen Rentenvertrag bei der Borussia. Gerade erst haben beide Seiten die Zusammenarbeit bis 2013 verlängert. So viel Vertrauen genießen in der Liga lediglich noch Felix Magath auf Schalke und Thomas Tuchel beim selbsternannten Karnevalsverein in Mainz.

» Wen die Fans loswerden wollen: Karim Matmour erhitzt in schöner Regelmäßigkeit die Gemüter der Borussen-Fans, weil er das Etikett des Chancen-Todes nicht abstreifen kann. In 59 Spielen beschreiben nur vier Tore das Dilemma des Algeriers, der in Tests gegen Venlo und Liverpool mit jeweils einem Tor jedoch womöglich das Signal der Besserung gesetzt hat.

» Des Trainers Liebling: Michael Frontzeck steht nicht in dem Ruf, Namen unter dieser Rubrik im Notizbuch stehen zu haben. Thorben Marx indes war zumindest sein Wunschspieler aus Bielefelder Tagen, den er 2009 nach Gladbach holte. Damit ist er aber noch nicht sein Lieblingsspieler, sondern nur der, den er brauchte, um im defensiven Mittelfeld die notwendige Stabilität im Team herzustellen.

» Der Kult-Kicker über seine Erben: „Dass Marco Reus und Roel Brouwers in der vergangenen Saison mit je acht Treffern die ganze Stürmergilde hinter sich gelassen haben, ist schon fast sensationell. Das gibt es nicht ein zweites Mal“, sagt Herbert Laumen (66). Der durch den legendären Pfostenbruch 1971 berühmt gewordene Ex-Profi, der bei Heimspielen die Veteranen im Borussia-Park betreut, hat für Gladbach 97 Bundesliga-Tore erzielt. Nur Jupp Heynckes war treffsicherer (195 Tore). „Mit dem Abstieg wird die Borussia nichts zu tun haben. Es geht weiter nach oben“, sagt Laumen, Mitglied des Ehrenrates.

» Der skurrilste Fan-Artikel: Für Jugendliche eher der personalisierte Klingelton fürs Handy, Erwachsene können sich an der Fohlenmilch, einem Likör, erfreuen.

» So wollen sie spielen: Mit der Verpflichtung von Igor de Camargo kann Trainer Frontzeck sein 4-4-2-System punktuell auf ein 4-2-3-1 umstellen. Der Brasilianer könnte als hängende Spitze hinter Raul Bobadila und zwischen Arango und Marco Reus Impulse für die Offensive setzen.

» Was muss? Was kann?: Gladbach muss auswärts besser punkten. Zehn Punkte waren es in der vergangenen Spielzeit. Platz 18 aller Bundesligaklubs, schlechter war keiner, und bietet damit die Chance auf Besserung. Gelingt dies, können die Fans bei ähnlich solider Heimbilanz (29 Punkte) eine von Abstiegssorgen befreite Spielzeit genießen.

» Zieleinlauf: Ein einstelliger Tabellenplatz wäre das Optimum. Der letztjährige Tabellenzwölfte müsste dann Hoffenheim, Frankfurt und Mainz noch überholen. Das wäre aber schon ein Kraftakt, höhere Weihen verbieten sich angesichts der Konkurrenten - ob es nun Wolfsburg, Hamburg, Stuttgart oder Dortmund wären.

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