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Babyleichen: Todeszeit immer wichtiger – Methode gesucht

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Wenden/Olpe – Die Mutter der drei tot in einer Kühltruhe im sauerländischen Wenden entdeckten Babys ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Siegen weiter vernehmungsunfähig.

Eine umfassende Aussage der Frau, die ihre drei neugeborenen Mädchen in der 80er Jahren in die Tiefkühltruhe gelegt hat, wird aber immer dringender. Die Rechtsmediziner zweifeln inzwischen daran, dass sie den Todeszeitpunkt der Mädchen eingrenzen können. Der genaue Zeitpunkt des Geschehens in dem kleinen Fachwerkhaus ist aber angesichts der 20 Jahre dauernden Verjährungsfrist für Totschlag von Bedeutung. Auf einer Totschlagannahme beruht derzeit der Haftbefehl gegen die Frau.

Die 44-Jährige sei immer noch in einem Justizkrankenhaus untergebracht, bestätigte ihr Anwalt Martin Dietzmann am Donnerstag in Olpe. „Ich warte aber jeden Tag auf grünes Licht, dass ich mit ihr reden kann.“ Bislang habe er sich nicht mit ihr über den Fall unterhalten können. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern steht im Verdacht, Ende der 80er Jahre drei weitere Mädchen unbemerkt geboren und getötet zu haben. Der 18-jährige Sohn hatte die Leichen am Samstag entdeckt.

In der kommenden Woche werden weitere Ergebnisse der Rechtsmedizin erwartet. Schwierig gestaltet sich bei der Untersuchung aber die Feststellung des Todeszeitpunktes der seit vermutlich fast 20 Jahren tiefgefrorenen Babyleichen. „Da betreten wir absolutes Neuland“, betonte der Leiter der Dortmunder Rechtsmedizin, Ralf Zweihoff. Da mit den normalen Methoden der Rechtsmedizin der Zeitpunkt des Todes nicht zu bestimmen ist, werde derzeit nach anderen Möglichkeiten gesucht. „Wir wissen es noch nicht“, sagte Zweihoff, ob sein Institut diese Frage klären könne. Die Idee, mit einem Spektrometer nach Rückständen der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 zu suchen, sei von Fachleuten bereits als wahrscheinlich ungeeignet bezeichnet worden.

Auch wenn der Anwalt der Frau noch nicht mit seiner Mandantin darüber gesprochen hat, hält auch Dietzmann ein umfassendes Geständnis der Mutter nicht für ausgeschlossen. „Es wäre auch nach der Entdeckung ein Leichtes gewesen die Leichen liegen zu lassen oder irgendwo zu vergraben“, sagte er. Dass sie am Sonntag selber mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter zur Polizei gefahren sei, spreche dafür, dass sie aussagen und reinen Tisch machen wolle.

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