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Bauer vergräbt Schweinekadaver

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<1>Rheine. In einer Erdmulde im Trinkwasser-Gewinnungsgebiet Hemelter Bach sind am Freitag 14 Schweine-Kadaver ausgegraben worden. Das bestätigte der Leiter des Kreis-Veterinäramtes, Dr. Christoph Brundiers. „Eine Gefährdung des Grundwassers liegt aber nicht vor“, sagte der Kreisveterinär. Als Verursacher hat die Behörde einen Bauern aus Rodde ausfindig gemacht. Gegen den Betreiber eines Großmast-Betriebes ist ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden, weil er gegen das Tierbeseitigungsgesetz verstoßen hat. Er muss mit einem Bußgeld rechnen. Der Schweinemäster soll die verendeten Tiere bereits vor mehreren Wochen an dem Feldstück im Bereich zwischen Flugplatz Eschendorf, Bahnstrecke Rheine-Osnabrück und Nahrodder Straße vergraben haben. Bürger in Rodde wollen bereits „am Dienstag vor Ostern“ beobachtet haben, wie der Bauer die toten Tiere in der Schaufel eines Frontladers durch das Dorf fuhr. Die Stelle, wo der Landwirt die 14 Schweine-Kadaver verscharrt hatte, wurde aber wohl erst jetzt entdeckt. Nach ersten Untersuchungen an den Schweine-Kadavern und nach einer Inspektion im Bestand des Mastbetriebes gebe es keine Anzeichen dafür, dass der Landwirt „eine Tierseuche vertuschen wollte“, sagte Brundiers. <2>Auf Veranlassung des Kreisveterinäramtes musste der Bauer die Schweinekadaver am vergangenen Freitag entfernen und ordnungsgemäß beseitigen. Die Kadaver hätten lediglich „geringe Anzeichen von Verwesung“ gezeigt, sagte der Kreisveterinär. Die Stadtwerke Rheine nutzen den Bereich um das Wasserwerk Hemelter Bach zur Wassergewinnung. Das Gebiet zwischen Rheiner Ortsteilen Eschendorf und Rodde ist nach geltendem Wasserrecht in drei Schutzzonen aufgeteilt. An der Stelle, wo die toten Schweine gefunden wurden, hätten man „nicht einmal Kleintiere vergraben dürfen“, sagte Brundiers. Um die Todesursache endgültig festzustellen, seien zwei Tiere zur Untersuchung an das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt nach Münster gebracht worden. Die Ergebnisse liegen erst in einigen Tagen vor. „Bislang gibt es keine Anzeichen für eine Tierseuche. Alle Befunde sind bisher negativ“, sagte Brundiers. Ein abschließendes Ergebnis könne er indes nicht nennen, weil die Untersuchungen noch laufen. „Wir haben nichts gefunden, was für Tierseuchenerreger spricht“, meinte er. Brundiers machte keine Angaben zur Todesursache der überwiegend ausgewachsenen Schweine. Es sei allerdings nicht ungewöhnlich, wenn in einem Großbetrieb auch mal einige Tiere verenden. Nach Angaben des Landwirtes seien die Tiere an Güllegasen gestorben, die bei der Leerung der Güllebehälter ausgetreten waren. Die Frage, warum der Bauer die Kadaver illegal entsorgt hat, konnte Brundiers ebenfalls nicht beantworten. Finanzielle Gründe könnten eigentlich keine Rolle spielen: „Die Tierkörperbeseitigung wird in großen Teilen vom Kreis getragen“, sagte der Kreisveterinär. Pro Jahr habe seine Behörde „höchstens ein bis zwei Mal“ mit derartigen Verstößen zu tun, sagte Brundiers. Viele Bürger in Rodde sind empört. „Das ist eine echte Schweinerei. So etwas tut man nicht“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. „So etwas gehört sich nicht“, sagt auch Martin Plenter, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Rheine. Das Verhalten des Kollegen sei ihm „völlig unverständlich“, zumal er auch keinerlei wirtschaftlichen Vorteil erkennen können. Er wolle allerdings nicht von einem Umweltskandal sprechen. „Das ist rein organische Masse. Davon geht das Ökogefüge nicht kaputt. Trotzdem – so etwas ist nicht gut und schadet Image des gesamten Berufsstandes.“

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