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Bauern im Münsterland fürchten durch Hitze um ihre Existenz

Elmar Ries

Greven - Auf den gegenüberliegenden Feldern von Bauer Korkenbrink sind die Folgen der anhaltenden Trockenheit als Trauerspiel zu besichtigen. Links von der Straße, da steht Triticale. Dünne, viel zu kurze Halme, mit mickrigen Ähren oben dran. Die Getreidepflanzen lassen kollektiv die Köpfe hängen - und mittendrin steht Franz-Josef Korkenbrink und tut es ihnen nach.

Auf der anderen Straßenseite, keinen Steinwurf entfernt, wächst der Mais. Kolben werden die grünen Stängel in diesem Jahr wohl nicht ausbilden. „Eigentlich“, sagt der 47 Jahre alte Grevener, „eigentlich müsste ich mich schon jetzt locker hinter den Pflanzen verstecken können.“ Korkenbrink ist ein ziemlich großer Kerl, der Mais reicht ihm gerade mal bis zum Bauch.

Die Hitze, der ausbleibende Regen, beides macht vor allem den Landwirten im Münsterland arg zu schaffen. Die Böden sind knochentrocken, da kann nichts vernünftig wachsen.

75 Hektar Ackerland haben die Korkenbrinks, einen schönen Hof und rund 1500 Mastschweine. Obwohl das Getreide längst noch nicht gänzlich geerntet ist, hat der 47-Jährige schon Korn zugekauft: „Rund 30 Tonnen, die sind vor ein paar Tagen mit dem Schiff aus Hannover gekommen“, sagt er. Als er den Ertrag bei der Wintergerste gesehen habe - „anstatt 85 Doppelzentner je Hektar nur 50 bis 75, mit ´ner Tendenz zum kleineren Wert“ - habe er sich für den frühen Zukauf entschieden. Damit die Schweine das Jahr über genug zu fressen haben. Dafür ging die Ackerprämie drauf.

Zurzeit erntet er die Triticale. „Hier wird der Ertrag vermutlich noch schlechter ausfallen“, sagt der Landwirt. 32 Hektar hat er mit der Getreideart bestellt. Zwischen 60 und 80 Doppelzentner holt er in guten Jahren von einem He­k­tar. „In diesem Jahr rechne ich mit 20 bis höchstens 50“.

Und die Verluste? Wie viel weniger er am Ende des Jahres im Portemonnaie haben wird, daran mag der Grevener gar nicht denken. „Ich gehe davon aus, dass wir schlimmstenfalls 30 000 Euro weniger haben werden“, sagt er. So ein heftiger Schlag ins Kontor wird manchen Bauern wirtschaftlich an den Rand der Existenz drängen. Auch Korkenbrink kennt Kollegen, de­nen wegen der anhaltenden Trockenheit das Wasser schon bis zum Hals steht.

Was er sich wünscht? Klar, Regen! „Einen richtigen Landregen, zwei Tage am Stück“ - nur gibt es den im Sommer nicht. „Und die Wetterfrösche sagen, es bleibt weiterhin trocken.“ Bis der Mais so weit ist, werden noch ein paar Monate ins Land ziehen. Sollte Korkenbrinks Wunsch wider Erwarten wahr werden, „könnte es für den Mais noch reichen“. Viel Hoffnung, sagt er, habe er da aber nicht.

Und dann? „Werde ich ihn trotzdem ernten und an Kollegen verkaufen, die Milchvieh haben oder Bullen mästen.“ Maissilage ohne Kolben ist für Schweine nämlich nichts.

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