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Landtagswahl NRW 2010

Bauern lieben nur Naturgrün - Landwirte sorgen sich vor Regierungswechsel

Elmar Ries

Münster - Landwirte sind in der Regel konservativere Menschen. Das liegt nicht unbedingt am Beruf, sondern eher am ländlichen Leben, das dieser mit sich bringt. Darum darf man wohl mit Fug und Recht, und ohne jemandem zu nahe zu treten, sagen, dass die Bau­ern weniger von einem Regierungswechsel in NRW begeistert wären. Jedenfalls keinem, der auf Rot-Grün hinausläuft.

Sicher, das hängt auch mit der Person, dem Parteibuch und dem Pragmatismus des jetzigen Agrar-Ministers Eckhard Uh­lenberg zusammen. In erster Linie aber hat das mit den Erfahrungen zu tun, die die Bauern vor Jahren mit einer grünen Ressort-Chefin gemacht haben. Die stecken ihnen noch in den Knochen.

Bärbel Höhn als damaliges Feindbild der Bauern zu bezeichnen, wäre vielleicht zu viel gesagt. Die grüne Ministerin und die Landwirte verband aber eine herzliche Abneigung. Höhn versuchte, so viel wie möglich zu reglementieren. Die Bauern empfanden das als üble Gängelei und rebellierten. Traurige Berühmtheit erlangte die als „Ku­schel­erlass“ verballhornte Ansage, nach der Mäster ihren Schweinen Betreuungszeiten zukommen lassen sollten.

Die Grünen-Politikerin war es auch, die die Kammern Rheinland und Westfalen-Lippe zur NRW-Kammer fusionierte und ihr einen Verwaltungssitz aufzwingen woll­te. In den noch immer existierenden Zentralen Münster und Bonn erinnern sich altgediente Mitar­beiter mit Grauen an Faxe aus Düsseldorf, mit de­nen die Ministerin auf Entscheidungen direkt Einfluss zu nehmen versuchte. „Dabei sind wir doch immer schon ein Selbstverwaltungsorgan ge­wesen“, meint einer, der drin und nah dran ist.

Vom früheren Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Rudolf Schnieders, ist ein geflügelter Satz überliefert: „Bauern sind nie zufrieden, ihr höchstes Lob ist eisernes Schweigen.“ Da ist sicher einiges dran. Die aber, die po­litisch loben, wollen das kurz vor der Wahl nicht mehr öffentlich tun. Schließlich können sie anderthalb Wochen vor dem 9. Mai nicht absehen, mit wem sie es im Anschluss zu tun bekommen.

Uhlenberg, der CDU-Mann, stutzte das Regelwerk zurück, mit dem seine Amtsvorgängerin das Land überzogen hatte. „Wer heute einen Stall baut, zahlt 30 000 bis 40 000 Euro weniger, als er für das gleiche Gebäude unter Rot-Grün bezahlen musste.“ Klar, so argumentiert ein Bauer.

So viel kann man sicherlich sagen: Für den Minister ist die Landwirtschaft in erster Linie ein Wirtschaftszweig von vielen, der sich so frei wie möglich im Spiel des Marktes bewegen und global be­haupten muss. Die Grünen hinge­gen sahen den Agrar-Sektor immer auch durch ih­re grüne Brille. Und damit deutlich ideologischer.

Und heute?

Johannes Remmel, agrarpo­litischer Sprecher der Grünen- Fraktion im Landtag und als Fachminister im Fall des Falles im Gespräch, sorgte unlängst mit jener Empfehlung für Verwirrung und Wut, dass sich der deutsche Bauer vom Weltmarkt verabschieden und sein Heil in regionalen Produktketten suchen solle. Dass Remmel im gleichen Atemzug Massentierhaltung als „nicht länger tragfähig“ bezeichnete, stieß ebenfalls übel auf.

Noch einmal zurück zur Kammer. Die Beantwortung der Standort-Frage, die Höhn vor fünf Jahren gestellt hatte, wurde seinerzeit auf die lange Bank geschoben. Zehn Jahre, so einigten sich Kammer und Land damals, bleiben Münster und Bonn als Sitze erhalten. Zur Halbzeit solle der Verwaltungssitz wenn möglich endgültig bestimmt werden. Dieses Treffen findet Ende Mai statt.

Offiziell gibt es nur die Aussage, dass sich die Kammer-Oberen „in diesem Jahr des Themas annehmen werden“. Dass Münster die Na­se vor Bonn hat, wird zumindest kolportiert. Wer das sagt? Der Flurfunk - aber eben der auf der Führungsetage.

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