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Bayerische Signale

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Allmählich findet die CSU ihre Selbstachtung wieder: Bei der Wahl ihres Fraktionsvorsitzenden widerstanden die Landtagsabgeordneten der Regie aus der Parteizentrale und wählten einen Mann, der dem neuen Superstar Horst Seehofer Konkurrenz machen wollte.

Mag sein, dass die Bayern zur Anarchie neigen. Aber sie halten auch auf demokratische Traditionen. So ging es am Mittwoch im Münchner Landtag nicht nach dem Willen mancher Intrigenschmiede, sondern genau anders herum. CSU-Fraktionschef im altehrwürdigen Parlament bleibt der tapfere Schwabe Georg Schmid, der den Bayern das Rauchen im Wirtshaus verboten hat und nach der übel verlorenen Wahl auch noch Ministerpräsident werden wollte, obwohl dieser Posten irgendwie schon für den künftigen Parteichef Seehofer reserviert war.

Zumindest in der Fraktionschef-Frage haben die gebeutelten Frauen und Männer der bisherigen Mehrheitsfraktion den Partei-Strategen am Mittwoch unmissverständlich gezeigt, wo der Bartel den Most holt – nicht in der Parteizentrale oder in außerparlamentarischen Kampfgruppen, sondern im Parlament, das für solche Entscheidungen vom Volk gewählt ist.

Zeit war’s nach den Intrigen-Tagen. Und womöglich noch zeitig genug, um jene politische Kultur zu bewahren, auf die auch altmodische CSU-Abgeordnete mit Recht sehr stolz sind. Und wenn es diesmal nur reine Notwehr gewesen sein sollte.

Bleibt zu hoffen, dass die Signale aus der Fraktionssitzung auch von denen verstanden werden, die parlamentarische Demokratie ziemlich altmodisch finden. So, wie die CSU in den Tagen nach ihrer Katastrophen-Niederlage Politik als eine Veranstaltung kleiner Herrenrunden veranstaltet hat, muss sie sich um die Wähler kaum Gedanken machen: Die hatten schon vorher verstanden, dass nur noch leichte Schläge auch den Hinterkopf helfen können – und auch die nicht bei allen.

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