1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Bayern München oder Schalke? - Her mit der Meisterschaft

  6. >

Reste vom Vortag

Bayern München oder Schalke? - Her mit der Meisterschaft

wn

Münster - Vielleicht schon heute, spätestens nächsten Samstagnachmittag steht fest, ob Bayern oder Schalke Meister wird. Matthias in der Weide, Schriftwart des münsterischen Schalke-Fanclubs Monasteria, und Elke Althoff, Präsidentin der Kaisertreuen ´97, dem „FC Bayern-Fanclub aus Westfalen“, berichten unseren Redakteuren Ansgar Griebel und Stefan Werding, wie gut sie noch schlafen, was einen richtigen Fan ausmacht und wie viel Respekt sie voreinander haben.

Was machen sie am 8. Mai um 17.15 Uhr?

Althoff: Die Schale bejubeln.

in der Weide: Da werde ich mit anderen Fans in Gelmer im blauweißen Partykeller sitzen, und entweder werden wir wie von der Tarantel gestochen ein Taxi zum Bahnhof nehmen, und spätestens 18.30 Uhr in Gelsenkirchen sein. Oder wir werden stolz sein auf seine sehr gute Saison, die eine sehr junge Mannschaft gespielt hat.

Das Selbstbewusstsein eines Bayernfans haben Sie nicht.

in der Weide: Die Bayern können in den vier Spielen, die sie jetzt noch haben, alles verlieren. Und wir können nur noch gewinnen. Dieses Jahr bin ich traumwandlerisch gelassen.

Althoff: Am Anfang der Saison hätte uns doch jeder für verrückt erklärt, wenn wir gesagt hätten: Wir stehen im Champions-League-Finale, wir stehen im Pokalfinale und spielen noch um die Deutsche Meisterschaft.

Die Bayern sind das Siegen gewohnt. Frau Althoff, werden Sie da als Fan großzügiger? Könnten Sie auf die Meisterschaft verzichten, wenn Sie dafür die Champions-League gewinnen?

Althoff: Dieses Jahr können wir das Triple holen - und ein Triple holt man nicht so oft. Dann möchte man das auch.

in der Weide: Die Horrorvorstellung für jeden Bayern-Fan ist, dass es dieses Jahr nur für den DFB-Pokal reicht. Der DFB-Pokal ist für Bayern das Abfallprodukt der Saison.

Wie schlafen Sie zurzeit?

in der Weide: Wie ein Baby.

Althoff: Ich bin schon aufgeregt. Sonst würde ich ja nicht merken, dass es was Besonderes ist.

Welche Rolle spielt Fußball in ihrem Leben?

Althoff: Eine große. Fußball ist wie das Leben. Entweder man ist zu Tode betrübt oder himmelhoch jauchzend. Ist doch wunderbar.

in der Weide: Da gibt es keine Wertung. Ich bin Schalker. Das kann man nur zu 100 Prozent. Ich bin selbstständig. Auch das kann man nur zu 100 Prozent. Und ich bin seit kurzem verheiratet. Auch das kann man nur zu 100 Prozent. Ich habe sie vor einem Jahr im Stadion gefragt, ganz persönlich, während des Vereinslieds. Fußball spielt in meinem Leben eine extreme Rolle. Aber ich würde nicht sagen: er ist wichtiger oder unwichtiger als Frau oder Job.

Welche Vorurteile haben Sie gegen die anderen?

in der Weide: Der typische Bayern-Fan interessiert sich elf Monate überhaupt nicht für Fußball, merkt drei Spieltage vor Saisonende plötzlich: „Wir können was gewinnen.“ und holt seinen Schal aus dem Schrank.

Althoff: Das ist ein Vorurteil. Genau.

Welches Vorurteil pflegen Sie gegen die Schalker?

Althoff: Dass man mit denen nicht so gut Kirschen essen kann. Wenn man dort mit der Straßenbahn zum Spiel fährt, wird man schon angepöbelt.

Ist das ein hartes Brot für die Präsidentin eines BayernFanclubs, die geballte Abneigung aller Fans zu spüren?

Althoff: Klar, das regt einen schon auf. Aber Neid muss man sich erarbeiten. Respekt auch.

in der Weide: Da gebe ich ihr recht.Wenn ich sehe, was die Bayern in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben, nötigt mir das eine ganze Menge Respekt ab.

Sie erwähnen öfter den Neidfaktor: Haben Sie sich wegen ihres Erfolgs den Bayern angeschlossen?

Althoff: Nein. Das war bei der WM 1974. Beckenbauer, Müller, Meyer alles Bayern. Dann war das mein Verein. Ich habe mich als Fan geoutet, als die Bayern gerade gegen Kopenhagen 2:6 verloren hatten.

Wenn man sich dazu entschließt, Schalker zu werden, setzt man sich nicht der Gefahr aus, einen Neidfaktor zu erregen.

in der Weide: Die Frage ist falsch gestellt.

Das hör ich besonders gern.

in der Weide: Man entschließt sich nicht, Schalker zu werden. Da wird man reingeboren.

Kann ein Schalker jubeln, wenn die Bayern gegen Lyon 3:0 gewinnen?

in der Weide: Wir haben uns über die Tore gefreut - aber aufgesprungen und rumgehüpft sind wir nicht.

Althoff: Ich kann das: Ich habe ´97 mit Schalke mitgezittert. Da bin ich Deutschland-Fan.

Kennen Sie die Vorrundengegner der deutschen Nationalmannschaft bei der WM?

in der Weide: Natürlich.

Althoff: Ich denke schon.

Ist es Ihnen egal, ob bei der WM ein Kuranyi oder ein Klose das Tor schießt?

Althoff: Ja.

in der Weide: Mit dem Unterschied, dass der Klose kein Tor schießt.

Der Buchautor Nick Hornby schreibt, dass Fansein bedeutet, gemeinsam zu leiden, mehr Leid als Freud zu haben. Sehen Sie das auch so?

Althoff: Wenn die Schalker nicht mehr zusammen leiden dürften, dann bricht ihr Fansein auseinander. Was die Schalker zusammenschweißt, ist das Leid.

in der Weide: Das ist so.

Startseite