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Karneval im Kreis Warendorf

Beinah männerfreie Zone in Vorhelm

Christina Debbelt

Vorhelm - Da soll noch einer sagen, katholische Landfrauen seien nicht für jeden Spaß zu haben. Vom Gegenteil konnte man sich am Donnerstagnachmittag im Festzelt der Gaststätte Pelmke überzeugen. Weiberfastnacht, organisiert von der kfd St. Pankratius, so fromm wie das klingen mag, ging es mit Sicherheit nicht zu. Die knapp 200 Frauen im Saal nutzten die beinah männerfreie Zone, um ausgelassen zu feiern und über ihre daheimgebliebenen „Göttergatten“ herzuziehen.

Ganz im Trend, wie es die zahlreichen Kochsendungen im Fernsehen vormachen, sorgte auf der Bühne das „BAU-Kochstudio“ für die Verpflegung. Was die drei Köchinnen aber zaubern wollten, darauf konnten sie sich schwer einigen: „Bratwurst?“ - „Ach bloß nicht, die kannst du dir doch direkt an die Hüften klemmen!“

Ein Raunen ging durch die Menge, als männlicher Besuch am Eingang des Saales erblickt wurde: Prinz Frank I. mit Claudia III. und seinem Gefolge war gekommen, um die bunt kostümierten Damen zum Rosenmontag einzuladen. Fast so schön wie einige Bewerber in diversen Castingshows, gab der „kommissarische“ Präsident von „Klein Köln“, Christoph Kaldewei, Strophen aus dem Senatorenlied zum Besten, die er selbst umgeschrieben hatte. Die Köchinnen fragten sich derweil, wie der Prinz denn zu seinem Tanzmariechen käme? Google, Ebay oder durch einen „Frauenkauf“? Schon stieg ein gut situierter Mann auf die Bühne, der beabsichtigte, in eine neue Ehefrau zu investieren. Besonders passend erschien ihm da „Fräulein Susanne“, die vom Verkäufer als pflegeleicht und frei von jeglichen Gefühlen angepriesen wurde. Der Preis von 30 000 Euro war dem Herrn aber dann doch etwas überteuert. Jedoch, so warnte der Verkäufer, wäre an den Gratis-Modellen immer ein Haken. Diese seien oft emanzipiert, intelligent und, wenn man Pech habe, auch noch in der Katholischen Frauengemeinschaft aktiv. Schallendes Gelächter.

Nun wurde die Bühne zum Gerichtssaal. Der Delinquent, wegen eines Eheverbrechens auf der Anklagebank, wurde in einem Verhör zum Tathergang befragt. Warum er sich damals von seiner Verlobten getrennt habe? „Sie liebt den DJ“ fing der Bayer an zu singen. Trotz der Ermahnungen des Richters, sich den Ernst der Lage bewusst zu machen, schien auch den Angeklagten die Heiterkeit der Vorhelmer „Weiber“ angesteckt zu haben.

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