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Bereicherung für die Bundesliga

Ralph Baumann

Mainz - Der FSV Mainz 05 erwies sich im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg als Bereicherung für die Bundesliga. Als bester Neuling schloss die Mannschaft aus der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz die vergangene Saison als Tabellenneunter ab. Damit übertrafen die „Nullfünfer“ sämtliche Erwartungen.

» Unvergesslichster Moment der vergangenen Saison: Samstag, 22. August, 16.17 Uhr:  Als Schiedsrichter Kinhöfer die erste Halbzeit beendet, reiben  sich  alle im Bruchwegstadion verwundert die Augen, denn  der Bundesliga-Rückkehrer aus der Karnevalshochburg hat gerade den deutschen Rekordmeister Bayern München an die Wand gespielt. Einfach so. 13:2-Torchancen    weist   die   Statistik aus, die Nullfünfer liegen  aber „nur“ mit 2:0  vorne. Am Ende heißt es 2:1, und Bayerns Noch-Manager Uli Hoeneß ringt  um Worte, was höchst selten vorkommt.

» Satz der Saison: „Eigentlich müsste er die Reisekosten übernehmen.“ Nicht nur Manager Christian Heidel  ahnt sofort, dass kein Blumentopf zu gewinnen sein wird, wenn man fast während der kompletten Spielzeit zu zehnt ist.  Andreas Ivanschitz sieht am 29. Spieltag in Nürnberg nach 188 Sekunden die Rote Karte und  unterbietet  damit Markus Babbels  Liga-Bestmarke  um fünf Sekunden. Der Österreicher, der in der Hinrunde mit sechs Toren und blitzgescheiten  Pässen auftrumpfte, besiegelt mit dem Feldverweis eine schwache Rückrunde.

» So steht es um den Trainer:  Keiner käme mehr auf die Idee, an Thomas Tuchels Sachverstand zu zweifeln. Als Abstiegskandidat gestartet, holen die Mainzer  unter ihm so viele Punkte wie noch nie im Oberhaus (47) und kommen als Neunter   ins Ziel.   Der 36-jährige Tuchel, der  bis zum Sommer 2009 nur Jugendteams betreut  hatte, wird nach nur einer Runde fast  schon so verehrt wie einst Kult-Trainer Jürgen Klopp.

» Ihn würden die Fans gerne noch fortjagen: Wer den rot-weißen Dress trägt, der hat bei den Anhängern grundsätzlich einen Stein  im Brett. Der Verein möchte gerne noch den erst vor einem  Jahr vom FC St. Pauli gekommenen Filip Trojan abgeben. 

» Trainers Liebling:  Eben noch   mit der Mainzer  A-Jugend unter Thomas Tuchel Deutscher Meister geworden, stand    André Schürrle zur Überraschung aller Fans schon am ersten Spieltag in der Anfangself - und  ist seitdem aus der Stammformation nicht mehr wegzudenken. Der  Blondschopf  ähnelt Jung-Nationalspieler Thomas Müller, denn auch er ist flink, schussstark, unbekümmert, entwickelt viel Zug zum Tor und macht grundsätzlich Dinge, die der Gegenspieler nicht erwartet.

» Kultkicker über seine Erben: Zwischen 1995 und 2009 hütete Dimo Wache in 406 Pflichtspielen  das Tor, keiner  hat mehr Partien für die Nullfünfer  bestritten als der 36-jährige Ex-Kapitän. Das hervorragende Abschneiden nach dem Wiederaufstieg sei „das Produkt der  Mainzer Tugenden Zusammenhalt, Teamgeist und Laufbereitschaft.“     

» Kulinarische Besonderheit: Farblich ähnelt sie den neuen Heimtrikots, die Feuerwurst. Der ebenso knallrote wie  scharfe Happen war 2004  aus dem Programm genommen worden, doch nach heftigen Fanprotesten kehrte er bald wieder  in den  Stadionbereich zurück.  

» Skurrilster Fanartikel: Hundeleine samt  Halsband mit der Aufschrift „you´ll never walk alone“.

» So wollen sie spielen: Am 4-2-3-1-System (mit dem wuchtigen Aristide Bancé als einziger Spitze) wird sich wohl nichts ändern. Allein der Weggang  des laufstarken Kapitäns Tim Hoogland (zu Schalke 04) schmerzt, während  für Linksverteidiger Malik Fathi (zurück zu Spartak Moskau) im seitherigen  Bochumer Christian Fuchs guter Ersatz gefunden wurde.  

» Was muss? Was kann? Keiner im Umfeld erwartet, dass erneut Rang neun herausspringt. Wenn aber im nächsten Jahr  das neue, weit größere Stadion fertiggestellt sein wird, möchte Mainz 05 wenigstens noch Bundesligist sein.

» Einlauftipp: Tuchels Mannen belegen   einen Mittelfeldplatz.

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