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Berliner Karriereträume: Spekulationen um Karl-Josef Laumann

Wilfried Goebels

Düsseldorf - Tief verärgert hatte CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers nach der letzten Bundestagswahl reagiert, als der größte CDU-Landesverband bei der Vergabe der Ministerposten im Kabinett Merkel leer ausging. In einer neuen Regierung könnte sich Merkel eine zweite Ausgrenzung der NRW-CDU nicht erlauben. Derzeit gelten eine Reihe von CDU-Granden als ministrabel.

Die innerparteilichen Gewichte in der CDU haben sich seit 2005 klar verschoben. Merkel braucht die Schützenhilfe des Sozialreformers Rüttgers mehr denn je, um am 27. September Kanzlerin zu bleiben - schließlich stellt NRW 13 Millionen Wahlberechtigte. Bei Rüttgers aber sitzt der Stachel von 2005 tief. Erst die vorgezogene Neuwahl nach dem CDU-Erfolg bei der NRW-Landtagswahl hatte Merkel die Tür zur Kanzlerschaft eröffnet. Der Dank blieb aus - Rüttgers war auf 180. Auch die spätere „Nachbesserung“ mit fünf Staatssekretären der NRW-CDU - Hartmut Schauerte, Peter Paziorek, Hildegard Müller, Thomas Rachel, Peter Hintze - stellte die Union nicht zufrieden.

Vier Jahre später werden gleich mehrere CDU-Politiker aus NRW für Ministerposten nach dem „Tag X“ gehandelt. Ganz vorn auf der Liste der möglichen Stühlerücker steht der Münsterländer Karl-Josef Laumann, der als Arbeitsminister in NRW und Bundeschef der CDU-Sozialausschüsse für eine „soziale CDU“ in einer neuen Regierung Merkel stehen soll. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla wird als denkbarer Justizminister genannt, der parlamentarische Geschäftsführer Norbert Röttgen gilt als politische „Allzweckwaffe“ - etwa als Kanzleramtsminister. Und auch der Name von NRW-Integrationsminister Armin Laschet wird gehandelt: Als möglicher neuer Minister im Entwicklungshilfeministerium.

Während die NRW-CDU 2005 lange schmollte, ist die NRW-SPD am Kabinettstisch stark vertreten. Ihre Heimat im NRW-Landesverband haben die Minister Peer Steinbrück (Finanzen) und Ulla Schmidt (Gesundheit). Und im SPD-Schattenkabinett Steinmeier sitzt zudem Schatzmeisterin Barbara Hendricks als mögliche Verbraucherministerin.

Die in den Umfragen hoch punktende FDP baut darauf, mit Parteichef Guido Westerwelle in einer schwarz-gelben Koalition den nächsten Außenminister zu stellen. Liberalen Flankenschutz in Berlin soll FDP-Generalssekretär Christian Lindner bieten - der 30-Jährige gilt als bundesweit größtes Talent in der liberalen Schmiede.

Die NRW-Grünen setzen im Bund auf die Oberhausenerin Bärbel Höhn, die sich auf dem Berliner Parkett als Fraktionsvize konsequent in die erste politische Reihe vorgespielt hat.

Auch abseits möglicher Ministerehren lockt es prominente Landespolitiker in die Bundeshauptstadt. Da ist einmal der Bundesvorsitzende des Marburger Ärztebundes, Rudolf Henke. Und auch SPD-Generalsekretär Michael Groschek will sein Tätigkeitsfeld von NRW in die Bundespolitik verlegen, um die Stimme der Landespartei in Berlin hörbarer zu machen.

Regierungschef Rüttgers aber steckt je nach Wahlausgang in der Klemme: Einerseits wird der Erfolg von Landesvorsitzenden in der eigenen Partei nicht zuletzt daran gemessen, ob sie genug Parteifreunde an die Schaltstellen im Bund bringen können. Im Gegenzug aber braucht Rüttgers CDU-Promis als Magnet für die NRW-Landtagswahl.

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