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Politik Inland

Bessere Chancen für schwerstkranke Kinder

Wilfried Goebels

Düsseldorf - Deutlich mehr schwerstkranke Kinder sollen künftig schmerzfrei im Kreis ihrer Familie leben können. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gab den Startschuss für eine bundesweit einmalige Initiative an den Kompetenzzentren in Bonn und Datteln.

Derzeit leben rund 3600 schwerstkranke Kinder in NRW - etwa 360 sterben jedes Jahr. Bisher werden 170 Kinder ambulant von den beiden Zentren betreut. Nach den guten Erfahrungen wird das Modellprojekt jetzt dauerhaft umgesetzt. Neben der Schmerzbehandlung wird auch eine psycho-soziale Betreuung durchgeführt.

Professor Lukas Radbruch von der Uni Aachen hat in einer Studie festgestellt, dass viele Eltern mit der Situation überfordert sind. Künftig sollen sich landesweit bis zu acht besondere Ärzteteams gemeinsam mit den bisherigen Hausärzten um die Versorgung der jungen Patienten kümmern. Pro Team können 30 bis 50 Kinder palliativ versorgt werden. Dabei sollen Kinderhospize und Palliativzentren vernetzt werden. Nach Angaben Radbruchs leiden viele Eltern oft unter dem Gefühl, ihre schwerstkranken Kinder aufzugeben, wenn sie auf die Palliativmedizin zugreifen. Viele Kinder, die früher an schweren Stoffwechselerkrankungen gestorben sind, könnten aber heute mit ambulanter Hilfe Jahre oder Jahrzehnte leben.

Wegen der schwierigen Situation müssen auch Geschwisterkinder häufig mit betreut werden. Laut Studie konnte bereits jedes zweite schwerstkranke Kind zu Hause sterben. Inzwischen sei der Bedarf an Kinderhospizen weitgehend gedeckt, sagte Radbruch. Ausgebaut werden müsse hingegen die ambulante häusliche Betreuung.

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