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Billerbeckerin über ihre EHEC-Erkrankung

"Bestimmt 30 bis 40 Mal auf der Toilette"

Julia Gottschick

Gronau/Billerbeck - Zunächst dachte sie, es seien die Pommes gewesen, die sie mit ihrem Enkel auf dem Kinderschützenfest gegessen hatte. „Danach war mir speiübel, und ich hatte drei Tage Durchfall“, sinniert Catharina Heuken darüber nach, wie und wo sie sich mit EHEC infiziert haben könnte. Dass es die deftige Fest-Mahlzeit nicht gewesen sein kann, weiß sie inzwischen. „Klar habe ich mich im Internet schlau gemacht“, sagt die ehemalige OP-Schwester.

Auch, dass ihre Durchfälle blutig waren, merkte sie erst nach einem Ausflug nach Holland mit ihrer Enkelin. „Da war ich bestimmt 30 bis 40 Mal auf der Toilette, und abends hat meine Tochter gesagt: Sofort in die Klinik.“ Im St. Antonius-Hospital in Gronau kam sie zunächst auf die Intensivstation und schließlich in ein Isolierzimmer. Infusionen geben und Stuhlproben ans Robert-Koch-Institut schicken, mehr konnten die Ärzte zunächst nicht für sie tun.

Hatte sie Todesangst zu diesem Zeitpunkt? Catharina Heuken schüttelt den Kopf. „Ich war schlapp und geistig müde, ich habe kaum Anteil genommen, alles mit mir geschehen lassen“, erinnert sie sich an die erste Zeit im Krankenhaus. Tage später, als sie sich schon etwas erholt hatte und schwarz auf weiß feststand, dass es sich bei ihr tatsächlich um den gefährlichen EHEC-Erreger handelte, begann die Suche nach den Ursachen. Ärzte und Hygiene-Beauftragte befragten die Billerbeckerin, was sie wann wo gegessen haben könnte. Noch heute kann sie nur mit den Schultern zucken.

Auf Radtour in Holland sei sie zuvor gewesen, an der Nordsee, bis Belgien runter. „Klar haben wir da im Restaurant gegessen, und bestimmt auch Salat“, zerbricht sie sich den Kopf. Allein, ihre Schwester und deren Mann zogen sich keinerlei Beschwerden zu. Auch daran, Sprossen gegessen zu haben, kann sich Catharina Heuken nicht erinnern. Unterm Strich hat die 67-Jährige Glück im Unglück gehabt: Ihre Nieren haben bis jetzt keinen Schaden genommen, das gefürchtete Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) ist an ihr vorübergegangen.

Dennoch nimmt sie das Ganze nicht auf die leichte Schulter - und ihre Umgebung auch nicht. „Ich bekomme ganz viele nette Anrufe, aber keine Besuche“, sagt sie mit kleinem Lächeln. Die Furcht vor EHEC, sie sitzt bei den Menschen noch immer tief. Und selbst bei ihrem Hausarzt sei sie bei der letzten Untersuchung in ein Isolierzimmer gebracht worden. „Dabei wasche und desinfiziere ich meine Hände immer doppelt und dreifach“, sagt die Fachfrau.

Heute gerade hat Catharina Heuken eine große Tüte Salatgurken gekauft. Angst hat sie nicht. Mehrfach habe sie in den vergangenen Jahren im Krankenhaus gelegen, mit schweren Erkrankungen zwischen Leben und Tod geschwebt. „Natürlich will ich leben“, stellt sie klar. „Aber wenn es Zeit ist zu sterben, dann ist das eben so.“

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