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Urteile

Beweislast eines Versicherers bei Selbstmord

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Kassel - Wenn ein Versicherter aus ungeklärten Umständen an seinem Arbeitsplatz verunglückt, so ist der Versicherungsträger verpflichtet, die Hinterbliebenenrente auszuzahlen. Dies gilt selbst dann, wenn der Versicherungsnehmer Selbstmordgedanken meldet (Urteil: B 2 U 28/06 R).

Dies entschied das Bundessozialgericht im Fall eines Arbeiters, der aus ungeklärten Umständen von einer Plattform seines Arbeitsplatzes gestürzt war. Der Mann hatte mit seinen Kollegen eine Baustellenbegehung durchgeführt. Dabei wurde eine etwa 40 Meter hohe Plattform eines Krans besichtigt. Nach dem Ende der Besichtigung blieb der Mann allein auf der Plattform zurück. Nach zehn bis zwanzig Minuten stürzte er aus unbekanntem Grund von der Plattform und verstarb.

Die Versicherung wollte der Witwe keine Hinterbliebenenrente zahlen. Da der Mann sich kurz vor dem Sturz in einer suizidalen Krise befand und sich in stationärer und anschließend ambulanter psychiatrischen Behandlung befunden hatte, sei nicht auszuschließen, so die Versicherung, dass der Mann sich selbst umgebracht habe.

Das Bundessozialgericht gab nunmehr der Witwe Recht. Es sei nicht mit letzter Sicherheit zu klären, ob der Arbeiter im Zusammenhang mit einer betrieblichen Tätigkeit gestürzt war. Es obliegt dem Versicherer zu beweisen, dass der Versicherungsnehmer Selbstmord begangen hat. Im vorliegenden Fall konnte der Beweis jedoch nicht eindeutig erbracht werden.

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