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Beziehungsdrama in Enschede endete tödlich - Vier Tote in Wohnung

Martin Borck

Enschede - Es ist ein Drama, das sich am Donnerstagabend im Enscheder Stadtteil Boswinkel abspielt: Ein 33-jähriger Mann erschießt seine ehemalige Freundin (35), deren neunjährigen Sohn und die Schwester der Frau, 18 Jahre alt. Anschließend richtet er die Waffe gegen sich selbst und drückt ab.

Es hätte noch mehr Opfer geben können: Vier weitere Menschen, zwei Frauen und zwei Kinder, befinden sich zum Zeitpunkt der Tat in der Wohnung im ersten Stock eines Wohnblocks an der Utrechtlaan. Sie fliehen Hals über Kopf aus dem Zimmer und verschanzen sich, bis wenige Minuten später die Polizei am Tatort erscheint. Den Opfern können aber auch die Rettungskräfte nicht mehr helfen.

Die 35-Jährige hatte offenbar schon länger in Angst gelebt. Der 33-Jährige, so führte Rik de Boer von der Polizei Twente gestern Nachmittag auf einer Pressekonferenz aus, konnte sich offenbar nicht mit der Trennung abfinden und hatte der Frau mehrfach aufgelauert. Das Verhältnis der beiden war offenbar derart, dass „sie nicht miteinander leben konnten und nicht ohne einander.“

Erst in der vergangenen Woche war es zu einem Zwischenfall gekommen: Der Mann kletterte auf den Balkon der Wohnung und drohte der Frau durch die Fensterscheibe. Allerdings war es bislang bei verbalen Drohungen und Gesten geblieben. Zu körperlicher Gewalt war es nicht gekommen. „Zumindest nicht bis Mitte April“, so der Polizeisprecher. Da fuhr der 33-Jährige, ein in Enschede geborener italienischer Staatsbürger, auf der Straße mit seinem Wagen auf die Frau und den Neunjährigen zu und stoppte erst kurz vor ihnen. Nach dem erneuten Zwischenfall in der vergangenen Woche war der Mann festgenommen worden. „Ob es im Licht der jetzigen Ereignisse richtig war, ihn wieder auf freien Fuß zu setzen, werden wir nun untersuchen“, so Staatswanwalt Wilbert Tomesen.

Die Frauen und Kinder, die sich am Donnerstagabend in der Wohnung befanden, stammen allesamt aus Brasilien. In der brasilianischen Gemeinschaft Enschedes hat das Drama einen großen Schock ausgelöst. Und auch Bürgermeister Den Oudsten sprach von einem abscheulichen Drama. Die Zeugen erhalten psychologische und seelsorgerische Hilfe.

Bevor Beamte am späten Donnerstagabend die vier Leichen fanden, waren sie von Zeugen alarmiert worden, die Schüsse gehört hatten. Am Tatort stellten sie außerdem die vermutliche Tatwaffe sicher.

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