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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Bibel bleibt in der Vitrine griffbereit

wn

Schale. Über die Verwendung der Einnahmen aus der Aktion „Unsere Kirche ist mir was wert“ spricht Schales Pastor Roland Wendland bei der nächsten Gemeindeversammlung. Die Versammlung ist am Sonntag, 4. November, im Anschluss an den Gottesdienst, teilt die evangelische Gemeinde mit.

„Wir haben mit rund 3000 Euro finanziell ein bisschen Luft“, sagte Wendland im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei der Versammlung solle über Vorschläge diskutiert werden, wofür das Geld ausgegeben werde. Die Aktion „Unsere Kirche ist mir was wert“ hatte die Gemeinde in der Adventszeit 2004 gestartet. Dabei waren die Mitglieder des Gemeindebeirates und die Presbyter von Haus zu Haus gegangen und hatten um einen regelmäßigen Geldbetrag zur Unterstützung der Kirchengemeinde gebeten. Auf einem Formular konnten die Gemeindemitglieder angeben, welchen Betrag sie ab wann und in welchem Rhythmus der Kirchengemeinde spenden möchten. Der Spendenaufruf „Unsere Kirche ist uns was wert“ war seinerzeit ins Leben gerufen worden, um angesichts zunehmender Einnahmeausfälle unter anderem die Angebote der Gemeinde im Paul-Gerhardt-Haus aufrecht erhalten zu können.

150 Bürger haben sich damals an der Aktion beteiligt, berichtet Wendland. Fast alle von ihnen spenden heute noch, so der Pastor. Die Aktion der Schaler Gemeinde habe Vorbildcharakter im Kirchenkreis Tecklenburg bekommen. Das habe auch Superintendent Hans-Werner Schneider den Schalern bescheinigt, erklärt Wendland. Die Spendenbereitschaft im Ort zeige letztlich, welch enge Verbindung die Gläubigen in einer kleinen Gemeinde zur Kirche haben.

Im Gottesdienst vor der Gemeindeversammlung wird schließlich auch die Vitrine mit der historischen Luther-Bibel vorgestellt. „Die Vitrine wird in dieser Woche geliefert“, sagt Wendland. Im Gottesdienst nach dem Reformationstag stellen die Konfirmanden zunächst „ihre“ Bibel vor, die sie im Verlauf des Konfirmationsunterrichts erstellt haben. Anschließend lese einer der Jugendlichen das Evangelium aus der historischen Bibel, sagt der Pastor.

Das alte Werk werde künftig zusammen mit der gemeindeeigenen Bibel in der Vitrine untergebracht. Auch diese Heilige Schrift sei von einigem Wert, da sie inzwischen rund 100 Jahre alt ist. Die Bibeln sollen in der Vitrine aber nicht nur noch unter Verschluss gehalten, sondern für die Gottesdienste regelmäßig benutzt werden, sagt Wendland.

Die Lutherbibel, für die die Vitrine angeschafft wird, ist wesentlich älter. Wie berichtet wird vermutet, dass der zwölf Zentimeter dicke Band aus dem Jahr 1545 auch schon im Besitz eines Kapitäns auf hoher See gewesen ist. Den Weg nach Schale muss das mit zahlreichen Holzschnitten illustrierte Werk um 1820 gefunden haben. Johann Arendt Boje ist mit Jahreszahl 1764 als Besitzer handschriftlich in die Bibel eingetragen.

Boje war vermutlich Seekapitän und hatte seinen Hof in Bad Bergenborg an eine Familie Rotthaus verpachtet. Sie sollen den Hof erben. Dazu sei es aber nach dem Tod Bojes nicht gekommen. Familie Rotthaus ging nach Schale und pachtete einen Hof auf dem Hümmling. Die Bibel nahmen sie mit.

Pastor Roland Wendland ließ das gute Stück vor Kurzem restaurieren. Die Kosten in Höhe von rund 1500 Euro konnte die Kirchengemeinde auch mit den Einnahmen aus der Aktion „Unsere Kirche ist mir was wert“ bezahlen.

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