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Berlinale

Bilderreiche Tage und Nächte

Hans Gerhold

Münster. Wenn ein Costa-Gavras („Z“, „Missing“) die Jury leitet, ist es kein Wunder, dass politisch engagierte Filme auf der 58. Berlinale, die am morgigen Donnerstag mit der Rolling-Stones-Doku „Shine a Light“ von Martin Scorsese eröffnet wird, einen der Schwerpunkte bilden.

Sie sind Teil des Potsdamer Universums, das bis zum 17. Februar mit 384 Filmen bilderreiche Tage und Nächte beschert. 18 der 26 Wettbewerbsbeiträge sind Weltpremieren, 17 Filme behandeln das Thema Musik, in vielen Filmen stehen Friends and Family im Mittelpunkt.

Die Berlinale hat unter Festivaldirektor Dieter Kosslick Aufbauarbeit für den deutschen Film geleistet, Lokalpatriotismus gezeigt und Preise an deutsche Künstler vergeben, oft gegen internationales Echo. Wird die Berlinale 2008 Kosslicks verfixtes siebtes Jahr?

Der deutsche Film ist im Wettbewerb nur mit zwei Filmen vertreten. Die Berlinale verweist darauf, dass in allen Sektionen 77 deutsche (Ko-)Poduktionen laufen, was 20 Prozent der gezeigten Filme entspricht. Aber ein Feuerwerk des deutschen Films hätte dem Wettbewerb in einem Jahr, in dem große US-Filme Mangelware sind, durchaus angestanden.

Was auffällt, ist die Wandlung der Berlinale vom Fähnlein des politisch engagierten Films zum Full-Service-Festival. Die Zahl der Sponsoren hat sich vergrößert, zu L'Oréal, Volkswagen, Hugo Boss und ZDF/3sat ist Vanity Fair gestoßen, das ein Sonderheft herausgibt und eine Interview-Lounge betreibt. ZDF/3at sind für Bühnenshows zuständig, Hugo Boss unterhält den VIP-Showroom, Volkswagen kutschiert in 80 Fahrzeugen der Marke Phaeton Prominente herum, für L'Oréal stehen Pop-Ikonen wie Penelope Cruz, Pierce Brosnan, Jane Fonda, Milla Jovovich, Aishwarya Rai und Beyoncé stramm.

In diesem Jahr verkauft die Firma Munich Films Berlinale-Pakete an betuchte Filmfans und Firmen und führt mit ihnen u.a. Backstage-Touren durch. Kosslick hat die Organisation erstmals an eine Agentur vergeben, um „große Firmen perspektivisch an uns zu binden“. Das hört sich gut an, die Frage ist, ob es auf Kosten anderer Besucher geht. Gewiss, die Berlinale bemüht sich mit vielen Aktivitäten um ihr Publikum.

Zum Publikum und Besucherstrom gehören natürlich auch rund 4000 Journalisten aus aller Welt, die 2007 durch unzureichende Presseräume, sinnlose Computer-Kontrollen und fehlende Wasserspender verärgert wurden. So etwas ist in Cannes übrigens nie passiert. Dort wird die Presse geliebt, hier geduldet. Dennoch: Für den Jahrgang 2008 alles Gute.

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