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Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskolleg

Bildung statt Gefängnis

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Nach dem kriminellen Überfall von zwei jugendlichen Ausländern auf den 76 Jahre alten Rentner Bruno N. in einer Münchner U-Bahn, haben die Politiker und Medien speziell junge kriminelle Ausländer im Visier. Die Politiker fordern höhere Strafen und sogar die Abschiebung aus Deutschland zurück in die Heimatländer.

Sie stützen sich bei ihrer Argumentation auf Kriminal-Statistiken, die falsch interpretiert werden. Die Behauptung, Ausländer seien um ein Vielfaches krimineller als Deutsche, gehört zum Repertoire konservativer Politiker, die damit die Forderung nach geschlossenen Grenzen untermauern.

Zum Beweis wird die Kriminalstatistik zitiert, die angeblich dokumentiere, dass nahezu ein Drittel aller von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen einen ausländischen Pass habe, während aber höchstens neun Prozent der Wohnbevölkerung in Deutschland „Ausländer“ sind. Jugendliche Ausländer seien in Großstädten viermal so häufig wie junge Deutsche als Tatverdächtige oder Täter auffällig.

Um ein realistisches Bild zu bekommen, muss man zunächst die Delikte in der Kriminalstatistik gesondert betrachten. Irreführend in der Kriminalstatistik ist die fehlende Unterscheidung zwischen Ausländern, die zur Wohnbevölkerung in Deutschland gehören, und denen, die vorrübergehend in Deutschland leben. Grundtatsache ist, dass integrierte Ausländer in Deutschland nicht öfter mit dem Gesetz in Konflikt kommen als Deutsche. Ein Viertel bis ein Drittel der Ausländer, die in der Kriminalstatistik erscheinen, sind dagegen Touristen, illegale und alle diejenigen, die zum Zweck der Straftaten wie z.B. Diebstahl ins Land einreisen.

Das Problem sollte nicht mit höheren Strafen, Erziehungscamps oder Abschiebung gelöst werden, sondern durch mehr Bildung. Die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen führt sie auf die falsche Bahn - dies gilt für ausländische wie auch für deutsche Jugendlicher. Die Politiker sollten erkennen, dass das, was sie betreiben, eine Hetze gegen Ausländer ist. Und das Geld, das sie in Strafen und Gefängnis stecken wollen, sollten sie lieber in Bildungs- und Integrationsmaßnahmen investieren.

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