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Bischof Genn nimmt Abschied – Ruhrbistum in stürmischer See

Münster/Essen. Felix Genn, ernannter Bischof von Münster, nimmt in diesen Tagen Abschied von seinem Bistum Essen, das er fünf Jahre geleitet hat. Es sind schwere Tage für den bisherigen „Ruhrbischof“...

Johannes Loy

Münster/Essen - Felix Genn, ernannter Bischof von Münster, nimmt in diesen Tagen Abschied von seinem Bistum Essen, das er fünf Jahre geleitet hat. Es sind schwere Tage für den bisherigen „Ruhrbischof“, denn die Wahl durch das Domkapitel und die Ernennung durch den Papst kamen für den 58-Jährigen überraschend und mitten im Umstrukturierungsprozess des Ruhrbistums.

Es liegt auf der Hand, dass dieser Wechsel kirchenpolitisch unterschiedlich gedeutet wird. Die einen sprechen von einer „ehrenvollen Beförderung“. Andere interpretieren den Wechsel so, als werde Genn nach aufreibenden Jahren des Gegenwinds in einer ausblutenden Diözese „aus der Schusslinie“ genommen, um in einer vergleichsweise intakten Diözese neue Kraft schöpfen zu können.

Mit der überraschenden Bischofswahl sind auch Grundsatzdebatten darüber entbrannt, was denn eigentlich langfristig mit dem 50 Jahre jungen Bistum Essen geschehen soll. Denn immer noch steht es finanziell mit dem Rücken zur Wand. Zuletzt gab Essen gar die Vorbereitung des Katholikentages zurück, worauf das kleine Bistum Osnabrück mutig einsprang.

Prof. Dr. Thomas Sternberg, CDU-Landtagsabgeordneter aus Münster und kulturpolitischer Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sprach kurz nach der Bischofswahl vom „Ruhrbistum“ als einem „gescheiterten Experiment“, und rückte prompt in die Schlagzeilen. In der Führungsebene des Bistums Essen regte sich wütender Protest.

Die Gerüchte um den künftigen Bestand des Bistums Essen hält Bistumssprecher Ulrich Lota für eine „virtuelle Diskussion“. Essen sei mit 900 000 Katholiken ein mittelgroßes deutsches Bistum, und alle Diözesen litten schließlich unter Mitgliederschwund. Es gebe im Revier zwar einen „eklatanten Bevölkerungsschwund“, doch nach wie vor sei es eine „spannende Region im Wandel“. Viele Menschen, so Lota, bedauerten den Wechsel Genns, da er „den Mut hatte, Dinge anzupacken!“

Sternberg hält an seiner Meinung fest, dass es schon bei der Gründung des Bistums Essen „Geburtsfehler“ gegeben habe. Denn die Flächenbistümer Paderborn und Münster hätten gewichtige Teile des Ruhrgebiets wie Dortmund oder Teile Duisburgs behalten. Derweil wird speziell an den Rändern des Bistums Essen weiter darüber spekuliert, ob ihre junge Diözese angesichts fast völlig fehlender Priesterberufungen und Bevölkerungsschwundes lebensfähig bleibt. Nach den massiven Fusionen ist das Leben in Großraumgemeinden in Bochum oder Gelsenkirchen, die teilweise über 20 000 Gläubige umfassen, unübersichtlich geworden.

Der frühere Gelsenkirchener CDU-Ratsherr Konrad Herz schickte vor Jahr und Tag einen Brief an den Papst und schlug vor, angesichts der Krise Felix Genn zugleich als Bischof von Münster und Essen zu ernennen. Ein Vatikan-Sekretär schrieb zurück, dass die „Ausführungen zur Kenntnis genommen wurden“. Doch dieser Monsignore Gabriel Caccia schreibt natürlich viele Briefe nach Deutschland, wenn der Tag lang ist.

Immerhin: Genn machte das Rennen in Münster. Aber von einer Auflösung des Bistums Essen ist nichts bekannt. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, weist solche Spekulationen zurück. Das Bistum Essen sei auf einem guten Weg und der künftige Bischof finde „gute Voraussetzungen für fruchtbare Weiterarbeit.“

Am 20. März wird Felix Genn im Essener Dom verabschiedet. Am 29. März findet die Amtseinführung in Münster statt. An diesem Tag übernimmt der Essener Weihbischof Franz Vorrath vorübergehend die Leitung des Bistums, bevor am 30. März das dortige Domkapitel einen Diözesanadministrator wählt. Wenn alles glatt läuft, hat Essen Weihnachten einen neuen Bischof.

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