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Lenz-Netz

"Black Mirror 2": Der Horror holt jeden ein

wn

Was war das für ein Paukenschlag, als 2004 - mitten in der Saure-Gurken-Zeit der Adventures - „Black Mirror“ erschien. Ein ernstes Spiel in der Post-Monkey-Island-Ära: eigentlich undenkbar. Heute, zahlreiche Mystery- und Horror-Games später, sind die Erwartungen der Fans gestiegen. Die Geschichte muss neu, in sich stimmig und spannend erzählt sein. „Black Mirror 2“ erfüllt diese Anforderungen größtenteils.

Der Schauplatz war und ist das ideale Setting für ein Grusel-Adventure: Das Black Mirror Castle im verregneten, von Nebelschleiern durchzogenen englischen Ort Willow Creek ist die geografische Verortung der Hölle: Die Adelsfamilie Gordon fiel dort dem Wahnsinn anheim, zuletzt der jüngste Spross Samuel, der seine Frau und weitere Menschen umbrachte.

Heute: Darren Michaels weiß von diesem Spuk nichts. Der Physikstudent verbringt seine Semesterferien in der kleinen US-Stadt Maine. Schon bald sterben in dem Ort Menschen, und der junge Mann gerät unter Mordverdacht. Nach einigen Recherchen stellt Darren eine Verbindung zum Gordon-Fluch her. Sein Weg führt ihn - wohin sonst? - zum Schloss Black Mirror.

Spielszenario Horror-Haus: Schon im 1987 erschienenen Point&Click-Adventure „Maniac Mansion“ um einen gefährlichen Meteor hat das prächtig funktioniert. Trotz der damals beschränkten Interaktionsmöglichkeiten hätte es ohne das Lucas-Arts-Game wohl kein „Still Life 2“ gegeben, das von der Atmosphäre eines mörderischen Gebäudes lebt. Auch das erste „Black Mirror“ zehrte vom beklemmenden Gefühl, in alten gotischen Gemäuern vom Tod umgeben zu sein.

Doch bei „Black Mirror 2“ verpufft trotz des hohen technischen Niveaus etwas Suspense. Das Spiel ist zu dialoglastig, um den Spannungsbogen konstant hoch zu halten. Darren, ein erfrischend unsympathischer Charakter, kommentiert fast jedes Detail seiner Umgebung; an sich ein guter Zug. Unnötig erscheint aber der Zwang, jeden Gegenstand zwei Mal anklicken zu müssen: zunächst für Infos, dann für Interaktionen. Das lähmt den Spielfluss. Die Minispielchen tun ihr Übriges.

Spannung wie in „The Moment of Silence“ (insbesondere bei der starken Einleitungssequenz), im innovativen „Fahrenheit“, im Psychothriller „Overclocked“ oder im angekündigten „Decay“ kommt nur phasenweise auf. Und ohne zu viel zu verraten: Das Spiel geht ziemlich ruppig mit den tragenden Figuren um.

„Black Mirror 2“ spinnt die Geschichte glaubwürdig weiter und hält à la „Baphomets Fluch“ einige Wendungen parat - bis zum abrupten Ende, das unverfroren auf einen Nachfolger hinweist. Der dritte Part der Black-Mirror-Saga muss allerdings wieder ein Paukenschlag sein, wenn die Reihe nicht das Zeitliche segnen soll.

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